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Jeschurun · 1923-11-01 · Heft 11-12 (November 1923) · p. Seite 452

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 11-12 (November 1923)
Date
1923-11-01
Page
Seite 452 (sequence 64)
Language
German
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452 Jüdische und abendländische Kultur Zeitalter der Profeten und der Zivilisation der zweite Kultur״ abschniti in denen auf den mächtigen Aufschwung ein Niedergang folgt. Daran schliesst sich eine dritte, in sich geteilte Aufwärtsbewegung: Vorbereitung und Sieg der neuen Kultur (im Christentum, mit Johannes, Jesus, Paulus — ,als jüdische Geisteshelden, nicht als sanfte Himmelsjünglinge, neuerwachte von gewaltigen Gegensätzen durchstürmte jüdische Profeten, begründen sie, in einer erneuten Verinnerlichung von Kräften der jüdischen Seele, den Sieg der neuen Kultur״). Können wir dem Verfasser in seiner letzten conclusio auch nicht folgen, so erscheinen uns seine Hinweise auf den inneren Zusammenhang von Judentum und Christentum um so bedeutsamer: ,Was Jesus allein als wertvoll erachtet an Menschen, das ist das grosse, Liebe atmende und wie mit Frühlingskraft Glück um sich verbreitende Herz. Aber schlug ein solches nicht auch in der Brust der alten Profeten, die sich erhoben, um ihr im Morast der Sünde watendes Volk zu retten, dieser Männer, denen der ganze Jammer der heroischen Menschen aufgebürdet war?״ ״Jesus, der seinen Lieblingen, den schlichten Leuten des Volkes, als Profet so oft aus der Seele redet, er lässt das messianische Ideal wieder in solch zarten Farben aufleuchten, dass ihm der Ruhm gebührt, der jüdischen Kulturidee, wenn man diese Be- Zeichnung hinnehmen will, die feinste und erhabenste Form verliehen zu haben“. (S. 598 flg.) Den ragenden Gedankenbau krönt ein Schlusstein: ״Die jüdische Kultur und das Abendland״. Darin kommt auf wenigen, mit feuriger Feder geschriebenen Seiten das schon im Titel des Buches angegebene uns und die Gegenwart am tiefsten berührende Hauptproblem zum Ausdruck. Die Kernsätze seien im folgenden wiedergegeben. ״In der abendländischen Geschichte lebt der Geist der jüdischen Kultur in einer noch kaum geahnten Stärke fort. In allen Kulturen des Abendlandes schwingen irgendwie Kräfte der jüdischen Seele mit, und wenn dies überraschen sollte, so gibt es eine überzeugende Deutung: der Strom der jüdischen Kultur konnte in die abendländische

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