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Jeschurun · 1923-11-01 · Heft 11-12 (November 1923) · p. Seite 448

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 11-12 (November 1923)
Date
1923-11-01
Page
Seite 448 (sequence 60)
Language
German
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448 Jüdische und abendländische Kultur hauer, Nietzsche, Hebbel, Wagner, Ibsen — um nur einen bescheidenen Bruchteil herauszugreifen — haben in diesem Geistes- und Kulturalmanach Platz gefunden; für die Bibel von bereischis bis wajoal, für Jesaja und Jeremia, den Psalmisten und Hiob iindet sich in der Geistesgeschichte der Menschheit kein Ort und keine Stelle, keine Wirkung und kein Zusammenhang. Das ganze Judentum gehört eben zu den Problemen der arabischen Kultur. In der alten Zeit war es als Geistes- und Kulturfaktor überhaupt nicht vorhanden. Seit acht Jahrhunderten ist es Fellachenreligion — ohne Zusammenhang mit irgend welchen Kulturwerten und -Strömungen, tot, ein lebender Leichnam. Es gab noch keine frivolere Ausseracbtlassung einer mehr als tausendjährigen Geistesentwicklung, wie sie die Bibel darstellt, für die zusammengefasste Geistesgeschichte der Menschheit überhaupt, wie sie Spengler geleistet haben will, als der grosse Bändiger der durch die Einzelwissenschaften wirr aufgetürmten Stoffmassen, als sein ,Untergang des Abendlandes״. Um das Abendland untergeben lassen zu können, müssen eben alle früheren Kulturen auch untergegangen sein; bei der biblischjüdischen ist dieser Untergang schlechterdings nicht nachzuweisen: so wird Anfang und Existenz überhaupt verleugnet und der übriggebliebene trübselige Rumpf in einer untergegangenen Kultur verschachtelt, die uns zeitlich und räumlich Hekuba geworden ist. Die Schlüsse für die Gegenwart und die Bedeutung des Judentums in ihr hat Spengler so deutlich gezeigt, dass ein Blinder merkt, worauf es ihm bei dieser ganzen unerhörten Geschichtsklitterung an erster Stelle ankommt. In jenem, dem gestorbenen Judentum gewidmeten Kapitel des 2. Bandes, (in dem, nebenbei bemerkt, als der letzte jüdische Heilige — Otto Weininger, sein ,Tod in einem magisch durchlebten Seelenkampf zwischen Gut und Böse einer der erhabensten Augenblicke spätester Religiosität״ genannt ist!!!) heisst es in unverhüllter Offenbarung der letzten Absichten des Verfassers CS. 393 flg.): *Am tiefsten trennend und erbitternd hat die Tatsache * gewirkt, welche in ihrer vollen Tragik am wenigsten be-

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