Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- Seite 446 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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446 Jüdische und abendländische Kultur entsprechen einander die *Moderne״: Hellenismus und Impressionalismus-Amerikanismus des 19/20 Jahrhundert; das Ende der Formentwicklung: Stilmischung, Kolossalbauten, Provinzkunst der Römerzeit und die analoge, für uns in nächster Zeit zu erwartende Auflösung. In den drei letzten Geistes- und Kulturepochen unterscheidet Spengler (I. Bd. S. 237 flg.) bei ihren Trägern eine grundverschiedeae seelische Einstellung: die apollinisch e, die m agische, die faustische Seele. *Apollinisch“ ist das Dasein des Griechen, der sein Ich als *soma“ bezeichnet, dem die Idee der Entwicklung fehlt, der in der Darstellung des nackten Menschen sein letztes Kunstziel fand. ״Faustisch“ ist das mit tiefster Bewusstheit geführte Dasein des Abendländer.?, sein Ursymbol ist der grenzenlose Raum, sein höchster Kunstausdruck der gotische Dom, die Fuge. ״Magisch“ ist die Seele der arabischen Kultur, mit Algebra, Astrologie und Alchymie, Mosaiken und Arabesken, mit den heiligen Büchern der persichen, jü'disehen und e b. r i s 11 i e heu Religion. ״Faustisch‘1 und ,,Magisch“ sind durch folgende Merkmale ■grundwesentlich unterschieden: der faustische Mensch ist ein Ich: der magische Teil *eines Wir; das faustische Volk ist zusammengehalten durch G eschichte und Land, das magische durch Schrift und 'eo nsensus; der faustische Verband umfasst durch die Rasse, der magische durch das Sacra ment (Beschneiuung-Taufe). Wir urteilen nicht über den inneren Wert ״dieser Zusammenfassungen und Unterscheidungen, über ihre Neuartigkeit und Genialität. Wir fragen auch nicht, wieso eine derartige grundsätzliche Verschiedenheit die völlige Gleichheit der Entwicklung ermöglicht. Aber bei den zuletzt genannten Unterscheidung?- merkmalen stossen wir auf das Judentum; die Frage wo und wie steht das Judentum in diesem ganzen Weltenkultur verlauf? drängt sich gebieterisch auf. Auf den Tafeln finden wir erstaunlicher Weise nur zwei ilüchiige Erwähnungen: im ״Fiühling“ der arabischen Geistesepoche den Talmud (neben Awesta und Patristik) und im ,,Sommer“ die jüdische Literatur des 6/7. Jahrhunderts (neben der gleichzeitigen byzantinischen, syrischen,