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Jeschurun · 1923-11-01 · Heft 11-12 (November 1923) · p. Seite 444

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 11-12 (November 1923)
Date
1923-11-01
Page
Seite 444 (sequence 56)
Language
German
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444 Das Hohelied iß dem herrlichen Wort: ״ מי יחנך כאח ל׳ach, dass du mein Bruder 1wärst!“ Israel ewig ringt um seinen Gtt, den ver- Milten und unerkennbaren — ein Wunsch, der der Vater des Gedankens vom Christentum geworden, das mit dem Wunsch sich nicht begnügend Gtt zum Menschenbruder herniederzwingen 1will — so bleibt im Gegensatz der Geschlechter, in der Verschiedenheit von Wesen und Charakter das ewig Irrationale, Ueberirdiscne, Unauflösliche, Unendliche der Liebe beschlossen. Ein wundersames Wort des Midrasch Suta sagt: (ed. Buber S. 9) אייר אלעזד בן עזריה משל למה הדבר דומה למלך שנתן לנחתום בור חמים ואמר לו הוצא ל׳ משם עשר האין סלת הזר ואמר לו הוצא ל" מתוך עשר שש, מתיך שש ארבע בך הקב״ה סילת את הנביאים מתוך התורה ואת הכתובים מתוך הנביאים ושה״ש נפלתה מכלם. d. h. Wie die Propheten nur den letzten Gehalt der Thora blossgelegt, nur das dort implicite ausgesprochene in seinem letzten Sinne und Ziele geoffenbart, 80 haben die Gesänge und Ergüsse der Hagiographen aus den in die Zukunft weisenden Formulierungen der Propheten in der Vorwegnahme und Vorergreifung der Seele diesen weltfernen letzten Sinn der göttlichen Lehre zum steten eigensten Erleben des Individuums gemacht. Die Weltgestaltung ist in der Thora ein Gebot, in den Propheten gesicherte Zukunftsschau, in der Poesie der Ktubim das schon gegenwärtige religiöse Erlebnis. In allen aber besteht der Gegensatz zwischen Himmel und Erde zunächst fort, die Erde ist das Nähere, der Himmel das Fernere. Das Hohe Lied aber, ״das ,מלה חתומה ומלה מסויימת שה׳ש רבה) I 54) das versiegelt-dunkle und klar umrissene Wort*, lehrt das Grösste: Die Erde wird erst durch den Himmel begriffen; das Irdische erst im religiösen erfasst. Der Sinn der Erde ist der Himmel, die Musik der Sphären ist der wahre Rythmus der Menschenseele.

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