Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- Seite 404 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2292929-2293019-2293026--06449-2299737- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
404 Zur politischen Geschichte usw. den Juden. Solange Jerusalem noch immer in der Hauptsache eine zerstörte Stadt war, erhoffte man täglich ihre Wiederher- Stellung als sicheres Merkmal der baldigen Erlösung. Jetzt sollte die Stadt von den Feinden wieder erbaut werden mit all den so verhassten Götzentempeln der griechischen Städte, ein Zeichen, dass nun endgiltig das heilige Jerusalem aufgehört habe, und an seiner Stätte sollte dauernd eine Stadt der Heiden als ein zweites Caesarea entstehen. Dies zu verhindern, musste der glühende Wunsch aller Juden sein. Ein weiteres Moment für den Ausbruch des Aufstandes war das Verbot der Beschneidung, von dem die talmudischen Quellen nud auch Spartian18) berichten. Dieses Verbot braucht nicht in der Absicht einer Religionsbe3chränkung erlassen zu sein19). Hadrianische Religionsverfolgungen sind vor dem Aufstände sonst nicht erwie3en20). Die allgemeine Veranlassung des Verbotes, das sich nicht auf uie Juden allein bezog, mag wohl die von Hadrian angeordnete stärkere Bestrafung der Kastrierung gewiesen sein21). Es ist nicht einmal nötig anzunehmen, dass Hadrian selbst die Beschneidung mit der Kastrierung gleichstelite. Aber es liegt sehr nahe, dass das Verbot der Kastrierung von einzelnen römischen Beamten aus Unkenntnis oder aus böser Absicht auf die Beschneidung angewandt wrurde, sei es, um durch das Verbot die jüdische Bevölkerung zu quälen, sei es, um für Nachsicht gegen die scheinbare Uebertretung der kaiserlichen Verordnung Geld zu erpressen. Welches die Motive auch waren: durch römische Beamte wurde man an der Erfüllung eines der heiligsten Religionsgesetze gehindert. Das war Grund genug, zu versuchen das Joch der feindlichen Herrder Tatsache, dass bis zum Hadrianischen Krieg sämtliche Bischöfe Judenchristen waren, legt die Vermutung־ nahe, dass bis dahin der wesentlichere Teil der Christen Jerusalems Judenchristen waren. Wenn aber damals Judenchristen in Jerusalem wohnten, so ist auch eine rein jüdische Bevölkerung anzunehmen. Vita Had. 14, 2. 1S) s. 3. Duruy-Kertzberg, Gesell, d röm. Kaiserreiches U 471 Anm. 20) gegen Halevv Ie 579 vgl. Exkurs il. 21) vgl. Schürer I 675—79.