Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- Seite 403 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293019-2293026--06448-2299736- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur politischen Geschichte usw. 403 Es ist durchaus möglich, dass dieses nicht die Absicht des Kaisers war, dass er vielmehr lediglich die von Natur zur Festung 80 geeignete .Stadt in einen militärischen Stützpunkt gegenüber einem etwaigen Partherangriff verwandeln wollte. Ihm mochte dies gar nicht als eine so grosse Neuerung, besonders nicht als mögliche Kränkung für die Juden erschienen sein. Denn in irgend einer Form bestand Jerusalem wohl längst wieder als bewohnter Ort14). Ganz in Trümmern hatte sie Titus schwerlich verwandelt. Erzählt doch Josephus 15) ausdrücklich, dass Titus die drei Türme des Herodespalastes und einen Teil der Mauer bestehen liess. Die Tatsache, dass Jerusalem Standort der X. Legion war16), lässt mit grösster Wahrscheinlichkeit annehmen, dass aus dem römischen Lager sich im Laufe der Jahrzehnte ein stadtähnliches Gebilde entwickelte. Abgesehen von dem zum Heere gehörigen Tross haben sich wohl sicher auch jüdische Handwerker und Kaufleute allmählich wieder angesiedelt. Ein dieses hinderndes Verbot bestand nicht. Mochte es auch in der ersten Zeit nach dem Kriege für Juden gefährlich gewesen sein, sich den gehässigen und mutwilligen Angriffen der römischen Soldateska auszusetzen, so wird sich doch im Laufe der Jahrzehnte ein erträgliches Verhältnis zwischen ihnen und den römischen Soldaten herausgebildet haben, da diese schliesslich auch auf die Handwerker und Kaufleute mehr oder weniger angewiesen waren17). Eine vollkommene Restituierung der Stadt brauchte daher dem Kaiser als gar nichts Besonderes gelten. Anders natürlich richten, ist wohl eine Verwechslung mit der Erbauung des heidnische» Tempels nach dem Kriege. 14) vgl. hierzu auch Schiatter, Die Tage Trajans und Hadrians S. 68 ff. Sch’s. talmuäische Belege sind allerdings anfechtbar. 1*) Bell. VII 1—3. 16) vgl. Schürer I 634. 17) Epiphanios, de pond et mens 14 berichtet, dass auch nach der Zerstörung7 ־ Synagogen in Jerusalem ,waren. Schiatter S. 78. Ebenso setzt die Liste der Jerusalemer Bischöfe bei Eusebius, Hist, eccl. IV, 6 voraus, dass Jerusalem bewohnt war. und die Erwähnung