Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- Seite 402 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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402 Zur politischen Geschichte usw. und auf Cypern in den letzten Jahren Trajans11) waren noch unvergessen. Der Wiederaufbau des Tempels hätte aber dem jüdischen Volke ein sichtbares Kulturzentrum wiedergegeben. Deshalb musste die Erlaubnis zum Tempelbau illusorisch gemacht werden. Eine einfache Zurückziehung seines einmal gegebenen Wortes hätte aber den Kaiser offensichtlich ios Unrecht gesetzt. Daher zog er es vor, durch eine scheinbar unwesentliche Bedingung den Bau zu vereiteln. Unter der palästinensischen Bevölkerung gab es drei Klassen, denen ein neuer Tempel zu Jerusalem ein Dorn im Auge gewesen wäre: die Judenchristen, die Samaritaner und die Griechen. Die Judenchristen standen dem Karner geistig sicher ebenso fern wie die Juden und wurden von ihm auch wohl als solche betrachtet. Daher ist es kaum anzu nehmen, dass sie es waren, die dem Kaiser den Rat gaben, wie er den Tempelbau verhindern könnte. Demnach sind wohl Samaritaner oder palästinensische Christen unter den Kutäern zu verstehen, welche dem Kaiser rieten, von den Juden zu verlangen, entweder die Stelle des neuen Tempels oder dessen Masse zu verändern. Dieser Befehl war gleichbedeutend mit Verbot des Wiederaufbaues. In furchtbarer Aufregung versammelte sich eine Volksmenge in der Ebene von Bet Rimmon. Nur mit grösster Mühe gelang es dem greisen R Josua ben Chauanja den Ausbruch eines Aufstandes zu verhindern12). Die neue Richtung der römischen Politik den Juden gegenüber zeitigte aber bald Auswirkungen, welche diese der Verzweifelung nahe brachten und es geradezu zum Aufstande reizten. Hatte Hadrian zuerst durch den Plan des Wiederaufbaues Jerusalems und den Befehl der Erneuerung des Tempels die schönsten Hoffnungen bei den Juden erregt, so musste sein nunmehriger Entschluss, Jerusalem als griechisch-römische Stadt neu erstehen zu lassen, die Juden aufs äusserste erbittern13). ״) vgl. Grätz IV4 114ff; Schürer 662ff: Halevy Ie 892 420. 12) Ber. r. 64. 13) Dio Cassius 69,12; Dio's Angabe, dass Hadrian schon damals beabsichtigte, an der Stätte des Heiligtums einen Jupitertempel zu er-