Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- Seite 396 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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jg^^JKCa-^■-.־ •<■— - דיל: •- :ד.-,. יל?!.־* •■‘■PW BB"H g^g^JgB^^sg^ggj^'gy- 396 Goethe und die Bibel seine Berufung an den Weimarer Hof (1775) dient ihm das Psalmenwort als Ausdrucksmittel: ,Was ist der Mensch, dass Du sein gedenkst, und der Menschensohn, dass Du dich sein annimmst.״ (Psalm VIII5). Namentlich in den siebenziger Jahren, den ״Zeiten eines gesteigerten Gefühlslebens״ (Henkel, 1. c. p. 7) bewegt er sich in der Vorstellungsweise des hebräischen Schriftworts. ״Ich singe Psalmen dem Herrn, der mich aus Schmerz und Enge wieder in Höhe und Herrlichkeit gebracht bat“. (Brief an Frau v. Stein vom 13. Sept. 1777). Die Treue und die umwandelb&re Ergebenheit gegen seinen neuen Herrn Karl August, kleidet er in die Worte: ״Ich kann nur sagen: Herr, hier bin ich, mach aus deinem Knecht, wTas du willst“. In den ״Noten und Abhandlungen zum Wesl-Oesüiehen Divan“ merkt ■er an: ״Dass für solche Männer, die die Bibel zur Anwendung stets bereit hatten, daraus eine grosse Bildung erwachsen müsste, weil das Gedächtnis, immer mit würdigen Gegenständen beschäftigt, dem Gefühl, dem Uitul reinen Stoff zn Genuss und Behandlung aufbewahrte Noch bezeichnender für G.'s Wert- Schätzung des Alten Testaments ist eben dort die andere Stelle: ״Ein grosser Teil des Alten Testaments ist mit erhöhter Gesinnung geschrieben, eine Lektüre, dem reinen orientalischen Sonnenaufgang zu vergleichen״. Sein Urteil über das Buch Ruth als ״das lieblichste Idyll“, seine Verehrung des Hoheliedes (ebendort) sind über allem Zweifel feststehend, Ein einziges herabsetzendes Urteil über die Heilige Schrift ist uns allerdings in Boettigers Nachlass (Literarische Zustände und Zeitgenossen, Leipzig 1838) erhalten: ״Hätten wir die Sodomitereien und ägyptisch-babylonischen Grillen nie kennen gelernt und wäre Homer unsere Bibel geblieben, welch eine ganz andere Gestalt würde die Menschheit dadurch gewonnen haben״. Dieses befremdend schroffe, missgünstige Werturteil sticht von der oben zitatenmässig erwiesenen Hochschätzung des Alten Testaments hei G. so sehr ab, dass Deutschländer gleich dem bekannten Literarhistoriker R. M. Meyer und dem vielbelesenen Goethekenner Bode die Glaubwürdigkeit dieses TTrteils mit starken Gründen anzweifelt und die Mitteilungen