Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- Seite 392 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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892 Goethe und die Bibel Bibel zugunsten des Neuen Testaments von vielen Seiten, nichtjüdischen wie reformsüchtig jüdischen, angezweifelt oder preisgegeben wird, wo Bibelfeinde wie Fr. Delitzsch (Die grosse Täuschung) Goethe in Gegensatz zum Alten Testament zu bringen suchen (siehe darüber Deutschiänder, 1. c. Anmerk, zu Cap. III)1); wo in vielen Goethe-Volks-Ausgaben die bekannte Judenpredigt (in Jiddisch) aufgenommen wird, zu dem Zwecke, den grössten Dichter der Deutschen zum Judenhasser zu stempeln — in dieser Zeit ist Deutschländers Buch eine Tat zu nennen, ein Buch, das sich bemüht, auf streng wissenschaftlicher Grundlage den tiefgehenden Einfluss des ewigen Buches der jüdischen Bibel auf eine Persönlichkeit wie Goethe bis ins Einzelne zu erweisen und zu prüfen. Das Buch beruht auf sorgsamer Benutzung des vollständigen Materials der Goethe-Forschung, und geht den geheimsten Beziehungen seiner Dichtungen zur Bibel nach. Neu und aufschlussreich ist das Kapitel über die Bedeutung des Alten Testaments in Goethes Leben, geistvoll und inhaltreich ist der Abschnitt über den Einfluss der Bibel auf Goethes poetisches Schaffen, während der dritte Teil des Buches: Das Alte Testament in Goethes Weltanschauung nicht restlos befriedigt. Auf jeden Fall ist aas Buch eine wesentliche Bereicherung der Goethe-Literatur, ein ehrendes Denkmal ב) Wie weit die Ycdksverg-iftuttg des ״geistig tun di er teil“ An*isemitismus unserer Tage uni sich greift, zeigt ein Büchlein von Kl ab und, den bekannten expressionistischen Dichter, betitelt: ״Weltiteratur in einer Stunde (!), worin sich auf vier knappen Seiten!apodiktische Urteile über das alte Testament finden wie: Was für ein entsetzlicher, uuethischor Gott ist J...we: Gott der Rache und des grauenvoHes Gesetzes . . . Gott der blutigen Gewalt, der strengen Gesetze (2 m a 1 in \ier Zeilen, und dies in einer vierseitigen üebersicbt über jüdisches GosamtsehriUtum 1) . . . Der jüdische Gott kennt kein ־- men. keine Toleranz, er rächt die Sünde der Väter an den läiu ■!1, Die eh ri st hebe Nächsten liebe ist in W*!יו• heit ein Derivat indischen Brabmanentinns u s. f. Solche Bi iirenp rohen snobistischen Halbwissertvms setzt die sog. ״ Z e 11 en büch er*G - ihren gläubigen Lese!n vor; Gut pi kleinen Dosen! Jedes Wort der Widerlegung hiessc diesem Lu׳ t e r h a 1 t u 11 g s b ü c h 1 e i n zu viel Ehre au? un.