Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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864 Mischna Ketubot 3 4 ל^ nicht mehr in korrespondierendem Parallelismus des Sinnes. פשטתי את כתבתי bedeutet ein Unglück /רחצתי את רגל das Gegenteil; איכנה אלבשנה ist Ausruf des Verlangens, איככד. אטנפם ein solcher des Schreckens: ״ich habe mein Ehegewand abgelegt, wie würde ich es uur wieder antun? ich hatte die Füsse mir gewaschen, wie habe ich sie mir wieder beschmutzen können. Der äussere Gleichklang der beiden Vershälften macht es wahrscheinlicher, dass sie eine gleiche Stimmung atmen, ihre Bedeutungen verwandt sind. Darum wir der Auffassung, wie sie aus Jalkut hervorleuchtet, den Vorzug geben. Aber notwendig ist diese Uebereinstimmnng paralleler Glieder nicht. Es ist bezeichnend, dass sogar die ״einfachste“ Deutung: ich hatte zum Schlaf das Tagesgewand abgetan, wie soll ich es jetzt, wieder antun? ebenfalls im Rabba z. St. einen Vertreter und ihre agadische Verwendung findet. So ist dieses Beispiel ein sprechendes Zeugnis, wie die Predigt der Agadisten, weit entfernt von spielerischer Homilie, in streng sachlicher Weise ihre ״oft weit hergeholt“ erscheinenden Argumente auf das Fundament der Exegese aufgebaut. Sie ist nicht etwa ״fromme Deutung“: es ist nur das Gerüst entfernt, auf dem der kühne Kuppelbau aufgefübrt worden, und dieser scheint ohne Stütze und Pfeiler, frei in der Höhe zu schweben. Es ist die souveräne Architektur von Künstlern, die zu stolz sind, das Geheimnis ihrer Statik vor uns blosszulegen und vor' uns erst ausführlich zu rechtfertigen. Mischna Ketubot X, 4*). Von Rabbiner Dr. S. Kaatz in Hindenburg o/S. Meine Darlegung gilt einem talmudischen Thema, das zu umfangreichen und weitschichtigen Auseinandersetzungen Anlass bot. Es ist dies Mischna Ketubot 93 a X 4, die folgendermassen lautet: *) erscheint als Beitrag zu der ursprünglich geplanten Festschrift zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens des Rabbinerseminars, vgl, Jesch. X. Jahrg. S. 109.