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Jeschurun · 1923-09-01 · Heft 9-10 (September 1923) · page 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 9-10 (September 1923)
Date
1923-09-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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Das Hohelied 361 Zach. 9,13 ich mache dich zum Schwert. Hab. 1,12. Gtt macht ihn zum Gericht. Ez. 19.5 sie macht den Jungleu zum Löwen. Nach alledem ist es unzweifelhaft, dass Midrasch Suta den Wortsinn so gefasst: ich habe mich zum Wagen meines edlen Volkes gemacht. Es ist der Vers dann von dem Freunde gesprochen. Der Midrasch hat mit feinem Ohr aus מרכבות die wunderbare Hindeutung auf die Exils Vision der Merkabah, der wunderbaren Gottesherrlichkeit vernommen. Mit diesem Vers in seinem Wortsinn ist dann der allegorische Charakter des hohen Liedes besiegelt. Der Midrasch Rabba hat zu Anfang als Boraitha des Rabbi Chijah dieselbe Deutung wie Sutah: eine Prinzessin im Bettlerkleide wird von ihrem königlichen Vater erkannt und von ihm in seinen Wagen gehoben; so Israel in Egypten von Gott. Jedoch gehen die weiter gegebenen Deutungen offenbar auf eine andere Nüance des Verses ein. Es heisst dort: Der Vers rede von Joseph, der in so wundersamer Weise vom Sklaven zum König gemacht worden sei, von David, der aus dem Verfolgten ein Herrscher über Israel wurde, von Mordechai, dessen Trauergewand in den Purpur eines Ministers sich wandelte, endlich von einem Schneider aus Sepphoris, der von Rom zum Statthalter befördert wurde. Sie alle hätten, im Erstaunen über ihr Schicksal die Worte von sich gesagt*): .לא ידעתי נפשי שמתני Der Vers muss also eine wunderbare Wandlung des Lebensloses zum Ausdruck bringen, dem Betroffenen selbst seltsam und überraschend. Die Beispiele sind von Männern gewählt, die zu Führern und Leitern ihres Kreises wurden, die zu Vorspann und Wagen, zum מרכבת המלך ihrer Gemeinschaft *) Man beachte, dass hier einem Mann aus dem Volke diese Worte in den Mund gelegt werden, offenbar auf Grund wirklicher Erlebnisse. Es muss also jedermann ohne weiteres die Angemessenheit dieses Verses auf die Situation empfunden haben, dieser gewissermassen als solcher sprichwörtlichen Charakter genossen haben: wie hätte ihn auch wohl sonst der agadische Prediger vor seinen Zuhörern so verwenden können?

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