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Jeschurun · 1923-09-01 · Heft 9-10 (September 1923) · page 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 9-10 (September 1923)
Date
1923-09-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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Das Hohelied 359 licher Exegese gewonnene Verse rklärung zurückgehen muss. So mannigfaltig aber das Verhältnis der Obertöne zum Grundton ist, so reich ist die Fülle der Möglichkeiten für die Agadah, dasselbe Grundthema zu variieren, die ,,Ausdrucksfärbe״ des Schriftwortes regenbogenfarbig zu zerlegen. Die Anspielungen und Anlehnungen sind wohl gesetzmässig, nicht aber nach einer durchgängigen Methode, einem einzigen Schema gewonnen. Wo nun zahlreiche Lehrer des Midrasch unabhängig von einander dieselbe oder ähnliche Folgerungen und Erweiterungen finden und aufzeigen, wo zu verschiedenen Zeiten und Gelegenheiten derselbe Gedanke aus dem Verse sich dem forschend suchenden Geiste darbot, da ist es natürlich um so ersichtlicher, dass dieser Oberton in der Ausdrucks färbe stärker mitklingt, da ist es desto gewisser, dass er in einfachem harmonischem Verhältnis zum Grundsinn stehen müsse. Wenn daher die Häufung der Midraschim uns viele der ״Chachme Agada“ mit gemeinsamer Grundthesis vorführt, da ist diese Uebereinstimmung ein starkes Zeugnis für die sieb ergebende Auffassung. Auf Grund dieser Erwägungen wollen wir nun versuchen,, die strittigen Partien vom Hohenliede aufzuhellen, wollen aus den Obertönen reziprok den Grundton gewissenhaft zu bestimmen suchen. Es sei zunächst der vielumkämpfte Schlusssatz des sechsten Kapitels לא ידעתי נפש״'שמתני מרכבות עמי נדיב nach dieser Methode untersucht. Es ist ein Vers von ungeheurer Wichtigkeit: Das kleine Wörtchen עמי passt in kein Schema eines Liebesgedichtens hinein, es sprengt die Enge und zwingt zur Allegorie. Grade deshalb konjiziert man gerne *) an ihm herum oder lässt ihn unbeachtet beiseite. Das Ich dieses Verses ist, da in der ersten Person die masculine und die feminine Form nicht differenziiert sind, von vorneherein zweifelhaft: redet die Braut oder ihr Freund in diesen Worten? יי) Vgl. den ersten Artikel Jescb, Heft 3/4, Die Deutungen Brods etc, Gesen, 17. AufL, sagt sub שים ehrlich: Ganz unklar: Cant. 6, 12.

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