Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1923-09-01 · Heft 9-10 (September 1923) · page 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 9-10 (September 1923)
Date
1923-09-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2292929-2293019-2293025--06360-2299647
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

358 Das Hohelied haben die Alten den einfachen Sinn des Verses verstanden r Der Talmud Kethub. lila sowie der Kabba z. St. bringt von vielen Tannaim und Amoraim Deutungen in folgendem Sinne: Gtt habe mehrere Eide (zwei, drei, vier oder gar sechs Schwüre) schweren lassen, die Zeit der Erlösung ruhig abzuwarten; Israel und die Völker mussten sich verpflichten, nicht gewaltsam die Endzeit herbeizuführen oder herauszufordern. Um einige Formulierungen herauszugreifen: ״Rabbi Jose bar Chanina sagte: zwei Eide werden hier genannt: einer an Israel, einer an die Völker: dieses musste schwören, nicht das Völkerjoch abzuwerfen, jene, den Druck auf Israel nicht unerträglich zu machen, denn wenn sie also täten, würden sie vorzeitig das Ende erzwungen (גלרמץ לקץ לבא שלא בעונתו).“ Raw Jehuda sagte : wer von Babel nach Erez Jisrael zieht, Übertritt ein Gebot: wTecket die Liebe nicht, bis es ihr gefällt.״ Diese Stellen zeigen mit vollster Deutlichkeit, dass als Ursinn den Weisen die Deutung Raschis von der Störung noch obwaltender Liebe nicht vorgeschwrebt haben kann, sondern dass sie die fraglichen Worte תעוררו תעירו als das: Wecken und Erregen einer schlummernden, noch nicht reifen Liebe genom״ men. Nur dann kann im übertragenen Sinne darin zugleich die Mahnung liegen, in der Sehnsuchtsnacht des Golus die Ausdauer zu bewahren und der göttlichen, noch nicht zum Durchbruch kommenden Liebe nicht vorzugreifen. So kann also der Midrasch entscheiden, was in den Augen des Alten der schlichte Sinn des Verses ist. Es bleibt zwar immerhin möglich, dass verschiedene Midraschim zu einem Satz keine einheitliche Grundauffassung voraussetzen, sondern dass aus ihnen eine Differenz über den Ursinn des Verses sich ergibt.?(והאי‘ תנא בהאי פסוקא מאי עביד ליה מבעי ליה להתם). Das kann nicht wundernehmen, da in der Tat oft verschiedene Auslegungen gleichberechtigt, ohne dass eine Entscheidung zwischen ihnen möglich wäre, nebeneinanderstehen. Nur das ist festzuhalten, dass jede Midraschdeutung auf eine nach allen Gesetzen strengster sach-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.