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Jeschurun · 1923-09-01 · Heft 9-10 (September 1923) · page 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 9-10 (September 1923)
Date
1923-09-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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Das Hohelied 307 möglich und denkbar. Wir können dann mit Gewissheit schliessen, dass jener Midraschweise in eben diesem Sinne den Vers au!*gefasst hat. Um ein Beispiel zur Illustration vorweg anzuführen, wählen wir den Satz: השבעתי אחכם בנות ירושלים אם תעית ונו׳, der dreimal im Kohenliede wiederkehrt, für die Beurteilung des Gesamt- Zusammenhanges daher sehr ins Gewicht fällt. Ueber seinen Sinn gehen die Meinungen auseinander: Die Rationalisten oder besser Naturalisten unter den modernen Exegeten, die ihr höchstes Können darin setzen, dem hohen Liede einen möglichst grobsinn־ liehen Inhalt zu unterlegen, wollen darin die abwehrende Gebärde des im Liebesgenuss Schwelgenden sehen: ich beschwöre Euch, stört und scheucht nicht die Liebe, solange es ihr gefällt, m. a. W. verderbt uns Liebenden ni^ht ein glückliches Schäfer- Stündchen durch eure unerwünschte Gegenwart. Raschi deutet die Worte תעירו zwar in ähnlichem Sinne, wenn der Vers auch bei ihm sonst ganz andere Bedeutung hat. Auch er nimmt sie als ״Störer“ und leitet dabei das Wort nicht von dem bekannten Stamm עור, sondern von einer im Worte 1 ערך. Sam. 28,16 steckenden Wurzel: Feind sein ab. Die von dem Geliebten getraute Braut soll in ihrer Zuneigung zu ihm wankend gemacht, von anderen zur Untreue überredet werden und beschwört die zudringlichen Verführer mit den Worten: bringt mich von der Liebe nicht ab, solange sie mir gefällt. Auffällig an dieser Deutung Raschis ist, dass im ganzen Tnach die Worte העיר und עורר nichts anderes als erregen, erwecken bedeutet. Im Hohenliede VIII, 4 selbst bedeutet תחת התפוח עוררתיך gewiss nicht: ich habe dich gestört oder abwendig gemacht, sondern sicherlich : aufgestört, erregt, erweckt. Nach diesem ständig geltenden Sinn der Verben ist zu übersetzen: wecket, erreget die Liebe nicht, bis es ihr gefällt. Dann ist der Satz der Ausdruck dafür, dass infolge der wachsenden Sehnsucht eine Ungeduld, ein stürmisches Verlangen nach dem Ziele ihrer Hoffnung die Braut erfüllt, dass sie daher flehentlich bittet, die Gefühle nicht zu reizen und zu steigern, bis die Stunde der Liebe geschlagen. Welche Deutung ist nun die richtige? Oder wie

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