Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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S52 Die Knessia Gdola nur soviel heisst, wie keine Schwierigkeiten in den Weg legen, so ist es auch schon wertvoll. Trotz aller dieser kleinen Symptome fehlte der Knessia doch das Wichtigste: die besondere geistige Einstellung auf das Problem hin. Eine solche Einstellung kann von der älteren Generation nicht gut gefordert werden; sie bleibt, samt der im Hintergründe ruhenden grossen Aufgabe, der Jugend Vorbehalten. Die Jugend war das beglückendste Erlebnis der Knessia. Rein, naiv, ehrlich, von hingebender Dienstbereitschaft und zurückhaltender Bescheidenheit, war sie das Element der Leidenschaft und des uneingeschränkten Arbeitswillens, verbunden mit einer freiwilligen, innerlich bejahten, Unterordnung unter den Willen der älteren Führer: ihr Anblick gab die Gewissheit, dass die Zukunft der Aguda in guten Händen ruht. Man vermisste an ihr stark den Zug geistiger Selbständigkeit, ein Mangel, der aus einer bedenklichen Ueberspannung und Verbiegung des Autoritätsgedankens herrührt. Die freiwillige geistige Subalternität, zu der sich die Jugend in guter Absicht verurteilt hat, ist auch im Interesse der Gesamtaguda keineswegs erwünscht. Geistige Selbständigkeit, die auch einmal nach neuen Wegen , sucht, sich aber trotz vermeintlich besserer Erkenntnis in bewusster Disziplin dem Willen der berufenen Führer beugt, ist weit wertvoller als kritiklose Hingabe und ideenloses Mitlaufen auf ausgetretenen Wegen. Immerhin konnte man auch da, vornehmlich unter der deutschen und polnischen Jugend, erfreuliche Ausnahmen beobachten. Den gesunden Autoritätsgedanken aber proklamiert und ihn zur Herrschaft gebracht zu haben ist die wirklich grosse, historische Tat der Knessia Gdola. Die Konstituierung des Rabbinischen Rates als oberste Autorität der Agudas Israel ist eines der wichtigsten und folgenschwersten Ergebnisse der ganzen Knessia. Durch diese geniale Lösung des Führungsproblems ist die Agudas Israel dem Verhängnis entgangen, eine Beute der Advokaten und Journalisten zu werden, und hat, wenigstens in letzten Dingen, den Krebsschaden einer jeden Partei von sich ferngehalten : die Abhängigkeit von den schlauen Parteitaktikern,