Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Knessia Gdola 351 Thema auf die Tagesordnung zu setzen: die erste Knessia hatte weder den Willen noch die Fähigkeit, ein solches Problem ernsthaft zu diskutieren und irgend etwas Positives zu seiner Lösung beizutragen; ein grosser Teil des Kongresses hätte nicht einmal die Notwendigkeit, das Problem zur Debatte zu stellen, einzusehen vermocht. Nur in einzelnen Gruppen, vornehmlich aus der Jugend, herrschte ein ehrliches Bedürfnis danach. Und doch steht und fällt die gesamte Agudabewegung mit der richtigen Lösung dieses Problems. Man darf sich nicht der Illusion hingeben, als könne die destruktive Tendenz, die heute das Judentum in seinen e mpfindlichsten Teilen bedroht, allein durch organisatorische Massnahmen, gepflegte Begeisterung und Wiederanwendung alter Mittel, die unsere Altvorderen weit besser zu gebrauchen verstanden und damit doch nichts erreichten, entscheidend gebrochen werden. Es hat keinen Sinn, den grossen modernen Problemen, die sich uns überall aufdringlich in den Weg stellen, stets nur mürrisch auszuweichen, und sich etwas darauf zu gute zu tun, wenn es gelingt, an ihnen mit grosser Geschicklichkeit verbeizuhuschen; solange Agudas Israel eine Abwehr orga-־ nisation bleibt, wird sie das Hochziel, das ihr vorschwebt, nicht erreichen: das ist erst dann möglich, wenn sie mit stolzer Sieges- Sicherheit und mit dem Kraftbewusstsein des uralten Volkes, das schon viele Kulturen erlebt und überwunden hat, daran geht, die Fülle der aus der fremden Umwelt andrängenden Probleme in schöpferich-synthetischer Weise zu bewältigen. Einer, wenn auch schwachen, Berührung mit diesem Aufgabenkreis ist die Knessia trotzdem nicht entgangen. Die Organisierung einer gesetzestreuen Arbeiterschaft im Rahmen der Aguda und die durch ihre Vertreter in der Knessia aufgeworfenen Fragen brachten das. gewaltige soziale Problem wenigstens in Reichweite. Man hat auch die ״Förderung orthodoxer Literatur“ in das agudistische Programm aufgenommen. Das hat zwar mit unserem Problem unmittelbar nichts zu tun: fördern kann man wohl erbauliche Volkslektüre und gesinnungstüchtige Familienpoesie aber schöpferische geistige Leistungen, die hier vorausgesetzt werden, lassen sich nicht ״fördern“. Immerhin, wenn das