Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Knessia Gdola 349 strittene § 4 der neu angenommenen Verfassung, wenn auch von geringem aktuellen Wert, eine notwendige Sicherung, welche die Organisation nicht entbehren kann, ohne die innere Einheitlichkeit der Leitung zu gefährden. Die lebhafte Kampfeslust, von der die Knessia getragen war und die auf ein starkes Kraftbewusstsein schliessen lässt, ist im allgemeinen für eine so junge Bewegung ein gesundes Symptom; das aber nur dann gesund bleibt, wenn es sich paart mit einem hohen und feinen Verantwortungsgefühl, das auch im notwendigen Kampfe stets auch das richtige Mass zu finden weiss. Die Mahnung des ßabbinischen Rates, den Kampf gegen Andersdenkende und vornehmlich gegen Misrachi nur rein sachlich zu führen und von der lieblosen und schmähenden Art, in der sich bisher die Auseinandersetzungen vielfach bewegt hatten, endlich abzulassen, richtet sich gegen einen argen Misstand, der dem Ansehen der Aguda sehr geschadet und sie bei vielen subtil 'empfindenden Menschen völlig diskreditiert hat. Nach diesem Beschluss, der als förmlicher Issur aufzufassen ist, werden Ausfälle, wie sie sich manche Redner auf der Knessia geleistet haben, nicht mehr Vorkommen dürfen. Noch in einer andern Richtung hat sich ]enes Verantwmrtungsgefühl zu betätigen. Das grundlegende Prinzip der agudistischen Ideologie, das in § 1 der Verfassung glücklich zum Ausdruck gebracht worden ist, nämlich dass die Agudas Israel keine Partei ist, sondern eine Organisationsform für das ganze jüdische Volk darstellen will, fordert gebieterisch, dass endlich mit jener Anschauung gebrochen werde, die sich darauf beschränkt, für die eigene Seligkeit zu arbeiten, die ruchlosen Frevler aber ihrem verdientem Schicksal uberlässt. Man bedenke: tünfzehn Millionen Seelen zählt das jüdische Volk, kaum drei Viertel Millionen sind im Verband der Aguda. Will Agudas Israel ihre hohe Aufgabe, das gesamte jüdische Volk unter den Fittichen der Tora zu einen, wirklich erfüllen, so darf sie nicht durch allzu scharfe Kampfmethoden und freiwillige Selbstisolierung die Fühlung mit der ״ Gesamtheit der von jüdischen Müttern Geborenen“ verlieren. Während sie der assimilierten 3