Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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348 Die Knessia Gdola jüdischen Massen das vollkommen verschüttete Bewusstsein vom eigenlichen Wesen und der Aufgabe des jüdischen Volkes wieder zu erwecken. Die unhaltbare Situation, dass ein ganzes Volk, sein eigenes Wesen verkennend, zwischen allen möglichen Extremen hin und her schwankt, dass jeder Literat, der irgendwelche Phantasien über das Wesen des Judentums zusammenschreibt, gleich als massgebende nationale Autorität in Anspruch genommen wird, um drei Monate später einem anderen originellen Journalisten das Feld zu räumen, dass zahllose gutjüdische, überlieferungstreue Menschen, nicht imstande sich in dem Wirrwarr der schillernden Programmlosigkeit zurechtfinden, von den verschiedenartigsten Strömungen mitfortgerissen werden oder einem dumpfen Indifferentismus anheimfallen, macht es der Agudas Israel zur vornehmsten Pflicht in diesem Punkte endgültig Klarheit zu schaffen : mit betontem Nachdruck eindringlich und bis zum Ueberdruss oft wiederholend, muss sie ihre Formel von Wesen und Aufgabe des jüdischen Volkes der jüdischen Gesamtheit so lange verkünden und einhämmern, bis sie zu einem allgemein verstandenen populären Schlagworte geworden ist. Erst dann ist die Möglichkeit von Konzessionen gegeben. Kon- Zessionen haben nur dann einen Sinn, wenn der Gegner dem Standpunkte des Konzedierenden gerecht wird und sich bewusst ist, worin das Zugeständnis besteht: die Anomalie der gegen die Aguda gerichteten Polemik besteht aber gerade darin, dass sie sich nicht die Mühe nimmt, die Weltanschauung und die Ideologie der Aguda verstehen zu wollen. Sie sieht in der Agudas Israel immer noch einen Kreis reaktionärer Finsterlinge, verkalkter Frömmler, bestenfalls eine ecclesia militans, die die Herrschaft über die Massen nicht preisgeben will; eine würdevolle Auseinandersetzung mit der Idee der organisierten Orthodoxie ist ein ganz seltenes Ereignis. Darum kann auch die von einem Teil der Knessia ausgegebene Parole: .,Friede mit dem Misrachi I ״ so lange keine praktische Verwirklichung findeD, als bis der Misrachi sich nicht wenigstens zu einem gewissen Verständnis für das fundamentale Dogma der Agudas Israel durchgerungen hat. Bis zu diesem Zeitpunkt ist der heiss um-