Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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846 Die Knessia Gdola Schoss legen. Und ebenso wie der jüdische Einzelne und der jüdische Verband irgendwelcher Art, vom Lebensinstinkt getrieben, zäh und erfinderisch alles daran setzt, um sich seinen Besitz, seine Erwerbszweige, seine Privilegien, seine Tätigkeitsgebiete ungeschmälert zu erhalten, so muss auch die 0 r g a n i ־ sierte Judenheit ihre Politik ganz bewusst auch auf materielle Interessen einstellen; sie muss mit den Mitteln einer grosszügigen, ehrlichen und humanen Politik — stets im Einklang mit den Interessen der Wirtsstaaten — die vitalen Energien der um ihre Existenz ringenden jüdischen Individuen zu einheitlichem, planmässigem und stosskräffcigem Wirken zusammenfassen; und sie muss danach streben, in der ganzen Welt politische, rechtliche und wirtschaftliche Positionen zu erwerben und an den bereits errungenen hartnäckig festhalten. Ohne Ueberschätzung der eigenen Kräfte, ohne sich lärmend in den Vordergrund zu rücken und sich in politischen Doktrinen zu engagieren, wird die agudistische Politik einem gesunden Opportunismus huldigen, der, rein praktisch orientiert, sich ebenso mit einer klerikalen Monarchie, wie mit einer sozialistischen Republik abfinden wird, sofern nur die elementaren Daseinsbedingungen gesichert sind: Rechtsschutz, freie Erwerbsmöglichkeit und ungestörte Pflege der religiös-kulturellen Güter. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch die politische Seite des Erez-Israel-Problems wie auch die Frage der nationalen Autonomie zu betrachten. Man mag über den realen Wert der Balfourdeklaration verschiedener Meinung sein, sie ist jedenfalls eine Position, die man nicht leichten Herzens aus der Hand geben darf. Es ist begreiflich, wenn der Unmut über die unselige zionistische Politik manche Kreise innerhalb der Aguda zu der Erwägung veranlasst, ob es am Ende nicht besser wäre, auf die Balfourdeklaration, die bisher nur Schwierigkeiten und nichts Positives gebracht habe, ganz zu verzichten, und statt dessen unter dem Status quo still und ohne Prätentionen eine unauffällige aber intensive Besiedlung des heiligen Landes vorzunehmen; der Gedanke ist vielleicht bestechend aber falsch, und die Knessia hat ihn erfreulicher Weise ab gewiesen. Es kann