Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Knessia Gedola 845 schaffc und die Erziehung der Jugend im Geiste dieses Gesetzes, die Wiedergewinnung Erez-Israels als gesegneter Stätte jüdischer Pflichterfüllung, die stille Kärrnerarbeit am Wiederaufbau des Gottesreiches auf Erden״. Es will uns scheinen, als ob auch diese meisterhaft formulierten Prinzipien jüdischer Politik nicht ganz frei seien vom Geiste eines politischen Quietismus, der weder vom Gesetz geboten ist noch den historischen Traditionen der Judenheit entspricht. Mit der gleichen Hingabe und Zähigkeit, mit der die Juden für ihre sittlichen Lebensgüter gekämpft, haben sie auch um ihre materiellen Lebensgüter, die uneatbehrliehe Grundlage für jene, gerungen. Die Sorge für seinen Erwerb, für die Bestreitung seines Haushalts galt dem Juden von jeher als Mizwa gleich den anderen. Freilich, wo beides in Kollision kam, da war dem Juden kein Opfer zu schwer, um seine Jüdischkeit unversehrt zu erhalten; aber einen apriorischen Verzicht auf materielle Interessen gab es nicht. Wir sind keineswegs ״allezeit und allerorten zu bescheidenem Verzicht bereit, wo es sich um eigenen Vorteil, Macht und Einfluss handelt“. Wir wollen nicht Vorteil auf Kosten anderer und Macht und Einfluss, um andere Völker unterdrücken und beherrschen zu können; unser nationales Prestige heisst Kiddusch Haschern. Aber wir glauben, dass es geradezu unsere religiöse Pflicht ist, mit allen uns zur Verfügung stehenden sittlich zulässigen Mitteln dem jüdischen Volk seine Lebensmöglichkeiten zu sichern, damit es sich ruhig und ungestört seinen hohen sittlichen Aufgaben widmen kann; zu diesem Zwecke müssen wir stark sein und sind nicht berechtigt, die wenigen Machtmittel, die wir haben, leichtsinnig preiszugeben. Unser Reich ist von dieser Welt, und wir müssen für unsere Leiber sorgen, damit die Seelen darin wohnen können. Wir warten wieder wie die ersten Christen auf den nahen Weltuntergang noch mit resigniertem Fatalismus auf den Pogrom, der ״früher oder später ja doch kommen wird“. Wenn es Gottes Ratschluss ist, dass uns die irdischen Güter genommen werden, dann werden wir uns darein fügen, und darin eine Strafe für unsere Sünden erblicken; aber wir dürfen nicht deshalb die Hände in den