Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- IRI
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342 Ml fl UJiam—BggM■» Die Knessia Gdola risiüus einen faden Beigeschmack gegeben, der sie für viele sonst gutjüdische Kreise ungeniessbar machte, und sie haben durch ihre hartnäckige Sucht, spezifisch deutschen Lokal Verhältnissen entsprossene Erfahrungen ungesiebt und ungesichtet auf gesamt« jüdische Angelegenheiten zu übertragen, die agudistische Politik oft eher gehemmt als positiv gefördert. Die Zahl der Leute, die mit diesen Dingen unzufrieden waren und überdies nicht ein« zusehen vermochten, weshalb eine an Volkszahl schwache und an jüdischen Qualitäten nicht eben hervorragende Schicht die Führung der Gesamtjudenheit dauernd in der Hand behalten soll, wuchs im agudistischen Lager zusehends. Aber man hat dabei übersehen, dass die Dinge heute doch anders liegen. Um gleich eins vorwegzunehmen: auch die Deutschen haben umgelernt, auch sie sind reifer geworden, auch sie sind über die engen Verhältnisse, an die sie gewohnt waren7 heraus und in das weltumspannende Gefüge der Agu daarbeit allmählich hineingewachsen. Sie haben in diesen Jahren neue Erkenntnisse und Erfahrungen gesammelt, sie haben mit neuen, andersartigen Faktoren zu rechnen gelernt, die Vorstellungen wurden reicher, und man gewann Distanz zu den Dingen: so ist mancher Punkt in den überlieferten Anschauungen einer unauffälligen Revision unterzogen worden. Ihre Stärke aber liegt, mehr als anderswo, vor allem auf ideologischem Gebiete. Das Element der abendländischen Kultur, das die Grundlage ihrer Erziehung und ihrer׳ geistigen Struktur bildet, gibt ihnen eine vorläufiig unerreichte Ueberlegenheit: sie sind diejenigen, die mit dem Begriff Agudas Israel etwas mehr verbinden als einen grossen Schomre-Schabbes-Verein oder eine internationale Gesellschaft zur Förderung des Thorastudiums: sie erst gaben dem Begriff den festen ideologischen Unterbau, sie haben ihn in den weiten welthistorischen Rahmen gespannt, der der Agudabewegung erst Sinn und Weite gibt. Ist auch ihre jüdische Bildung nicht eben tief, ihre europäische oft faderischeinig, ihre Intelligenz wrenig produktiv und ihr geistiger Habitus verspiesst und kleinlich, so haben sie doch immer noch — relativ — den weitesten Gesichtskreis und den freiesten