Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Knessia Gdola 341 welche die litauische Orthodoxie — nicht ohne eigenes Verschulden — geraten ist, spielten sie in der Knessia nicht die Rolle, die ihnen ihrer Bedeutung nach eigentlich zukam. Ihre Antipoden in Denkweise und politischer Anschauung, die Tschechoslowakei aufrechte, imponierende Gestalten, erinnerten den Kongress bei jeder Gelegenheit daran, dass sie der radikale Flügel und, als heissblütige Zwisehenrufer, die ״bösen Buben“ der Knessia sind. Starr, trotzig, einseitig, von prachtvoller Geschlossenheit und Disziplin, waren sie die Verfechter der äussersten Konsequenz und geschworene Feinde jedes Kompromisses. An Radikalismus wurden sie vielleicht nur noch von den Palästinensern übertroffen, die ihrem Schmerz über die Entweihung des Landes in etwas hemmungsloser Weise Ausdruck gaben, die Verhältnisse im allgemeinen wohl auch unter etwas zu engem Gesichtswinkel betrachteten; leicht empfindlich und schnell gereizt, verbargen sie nicht ihre Enttäuschung über das geringe Interesse, das die Knessia ihrer Meinung nach den Erez-Israel-Problemen entgegenbrachte. Man konnte sie nie ohne Ergriffenheit anhören: die Boten des heiligen Landes sprachen. Eine besondere Stellung nahm auf der Knessia die deutsche Delegation ein. Obwohl im Besitz nur weniger Mandate, übte sie einen für ihre numerische Schwäche unproportioneil grossen Einfluss aus. Zwar war der Rückgang des deutschen Einflusses in Agudas Israel, der sich bereits bei früheren Gelegenheiten bemerken liess, auf der Wiener Tagung offensichtlich: die Erste Knessia trug ein völlig östliches Gepräge. Diese Erscheinung, die in vielen urteilsfähigen Kreisen lebhaft begrüsst worden ist, ist aber auch vielfach falsch aufgefasst und falsch gedeutet worden. Die Deutschen haben durch ihre absolute Verständnislosigkeit für die Psyche der jüdischen Massen der Aguda eine Unpopularität verschafft, an der sie noch lange zu tragen haben wird. Sie haben durch assimilatorische Reste in ihren Anschauungen die Ideologie der Aguda in eine bedenkliche Richtung hineingetrieben, sie haben ihr durch ihren abstrakten Doktrina-