Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1923-09-01 · Heft 9-10 (September 1923) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 9-10 (September 1923)
Date
1923-09-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2292929-2293019-2293025--06337-2299624
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Zum fünfzigjährigen Bestehen des Rabbinerseminars 380 Veröffentlichungen hätten sich auf einige Artikel im ״Israelit״ beschränkt“. Dieses Urteil möchten ,wir nicht unterschreiben. Dieser so eminent produktive Geist hätte sich doch stärker ausgelebt. Aber das bleibt wahr, dass Hoffmann jeder Ehrgeiz abging, sich in das rechte Licht zu stellen, dass er nur die Pflichttreue kannte, die da gebietet, ein übertragenes Amt mit Anspannung aller Kraft im Sinne des erteilten Auftrages auszufüllen und dass die Welt nicht den grossen Mann besessen, den ihr Esriel Hildesheimers Fürsorge beschert, wenn Hoffmann sich damals anders entschlossen. Den anderen Dozenten, die dem Seminar im Verlaufe der vergangenen Zeit gedient, war nur eine kurze Wirksamkeitsdauer vergönnt. Rabbiner Dr. Salomon Cohn, der ehrenamtlich in der ersten Zeit nach der Gründung Homiletik lehrte, Dr. Jakob Sperber, der schon nach einem Semester seiner Tätigkeit entrissen wurde und mit dem die Anstalt eine grosse Hoffnung begrub. Auch dem, wie wenige geliebten, Dr. Simon Eppenstein8) war es nur verhältnismässig kurze Zeit vergönnt, an der Anstalt zu wirken. Sein Schicksal mutet uns besonders tragisch an. In einem kleinen Städtchen einer fernen Provinz als Rabbiner wirkend, ab geschnitten von allen wissenschaftlichen Hilfsmitteln, von jedem anregenden Verkehr, hat er die seltene Energie aufgebracht, sich zu einem der geachtetsten Historiker seiner Zeit emporzuarbeiten. Schier unübersehbar ist die Zahl seiner Veröffentlichungen; Berliner und Barth schätzten ihn als Fachgenossen in gleich hohem Masse. Für die Geschichte der gaonäischen Periode galt er als Autorität. Er trug sich noch vor seinem ach so frühen Tode mit grossen Entwürfen, und es ist kein Zweifel, dass er uns, wenn er seine Jahre ausgelebt, die Geschichte des Judentu ms gegeben, die auf streng wissenschaftlichen Ergebnissen beruhend, vom Geiste des überlieferten Judentums erfüllt gewesen, ein Werk, das wir noch immer schmerzlich vermissen. Wie der verewigte Begründer der Anstalt, der Lehrer der vier eingehender charakterisierten Dozenten gewesen, so waren 8) 1864—1920. Ausführlicher über ihn Hazefirah Dez. 1920 und Hatekufa IX 488—490.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.