Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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328 Zum fünfzigjährigen Bestehen des Rabbinerseminars die die spanisch-arabische Judenheit bisher über alles emporgehoben/ gewöhnt war. Was er an geschichtlichen Werken veröffentlicht hat, seine wiederholten Reisen nach Italien, deren wertvollste Frucht: ״Die Geschichte der Juden in Rom״, seine ausserordentlichen Verdienste als Herausgeber des ״Magazins für die Wissenschaft des Judentums“, seine literarischen Beiträge in einem grossen Teil der jüdischen Zeitschriften aller Länder: von ״Steinschneiders Hebräischer Bibliographie“ bis zur ״Jüdischen Turnzeitung״, die zahlreichen Nachweise, die er seinen Schülern, Kollegen und einem über die ganze Welt zerstreuten, weit verbreiteten Freundeskreise von Fachgenossen gab, machten ihn zu einem der populärsten und vielgenanntesten jüdischen Gelehrten seines Zeitalters. Was er den Hörern des Seminars gewiesen, wie er jedes jüdisch-wissenschaftliche Interesse, das in ihnen erwachte, gefördert, wie er bis in sein Greisenalter hinein ihnen im persönlichen Verkehr Anregung gab, wie seine Wirksamkeit in den mannigfachen Ehrenämtern sie zur Nacheiferung augespornt, das haben sie nie vergessen und es ihm bis über das Grab hinaus gedankt. Die Orthodoxie muss — so heisst es — wegen ihrer starren Bindung, der Hemmungen, die sie der Entwicklung anlegt, uniforme Gestalten erzeugen. Vielleicht die Orthodoxie — nicht aber das thoratreue Judentum. Sahen wir das in der Gegenüberstellung von Esriel Hildesheimer und S. R. Hirsch, so bietet ein ferneres klassisches Beispiel Geh.-Regierungsrat Prof. Dr. Jakob Barth4), Dozent für hebräische Grammatik und Bibelexegese in seinem Gegensatz zu Prof. Dr. Abraham Berliner. Dieser: Autodidakt, jener in der typischen Karriere des Universitätsprofessors; Berliner der jüdische Gelehrte einer älteren Zeit, dieser in jeder Faser der Vertreter der Blütezeit des deutschen Universitätswesens, ausgestattet mit allem Rüstzeug der modernen exakten Forschung, ein würdiges Glied in jener Reihe der grossen Gelehrten, wie sie in diesem Reichtum 4) 1S51—1914. Ausführliches über seine Bedeutung vgl. bei J. Wohlgemuth: Jakob Barth Jeschurun II S. 181—200.