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Jeschurun · 1923-09-01 · Heft 9-10 (September 1923) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 9-10 (September 1923)
Date
1923-09-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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826 Zum fünfzigjäcrigen Bestehen des Rabbinerseminars sogenannten Finsterlinge, Reaktionäre und Stocktalmudisten war eine Stätte erstanden, die in allererster Reihe die Führung in der jüdischen Wissenschaft übernommen hatte. Wir sprachen eben von der jüdisch-theologischen Fakultät. Theologie das ist ein dem Christentum entlehnter Begriff, auf das Judentum nicht anwendbar, weil die Lehre und Erörterung über die Auffassung von Gott — im Christentum, wie die Dogmatik im Allgemeinen für die Religion entscheidend — im Judentum völlig zurücktritt vor der Erfassung und Durchdringung unserer heiligen Literatur. Doch bezeichnet das Wort auch auf nichtjüdischem Boden zugleich eine Summe verschiedener Disziplinen. In diesem Sinne mag es auch für uns gelten. Von den Disziplinen der jüd. Wissenschaft, im Laufe unserer Geschichte bald schöpferisch gefördert, bald in den Hintergrund tretend, aber nie völlig unterdrückt, haben in diesen fünfzig Jahren an unserer Fakultät die Pentateuch- und Bibelexegese, die hebr. Grammatik, die jüdische Literaturgeschichte und die Talmudforschung besonders glänzende Vertreter gefunden. Zu den gefeiertsten Namen unter den Bearbeitern der jüdischen Literaturwissenschaft gehörte Prof. Abraham Berliner3). Im eisernen Fleiss, dem aussergewöhnlichen Gedächtnis, der Vielseitigkeit der Interessen mögen ihm manche gleichkommen; den Charakter seiner Gelehrtentätigkeit, die Art, wie er seine wissenschaftliche Arbeit in den Dienst des praktischen Judentums gestellt, teilt er mit sehr wenigen. Und hier ist es wieder das Rabbiner-Seminar und seine Tendenz, die seinen Entwicklungsgang entscheidend beeinflusst hat. Sie gab seinen Forschungen das Ziel auf die Bearbeitung von Quellen, Aufspürung von Manuskripten, Darstellung des Lebens literaturgeschichtlicher Grössen, die alle mehr oder weniger mit Talmud und Midrasch, mit Halacha und Exegese, mit den das Leben des jüdischen Volkes 1915 — 1833 ף. Ausführliches über ihn bei S. Eppenstein: Abraham Berliners wissenschaftliche Wirksamkeit Jeschurun II S. 457—475. Da& Verzeichnis der bis zu seinem 70. Lebensjahre von ,ihm verfassten Schriften und Aufsätze ist von A. Freimann festgestellt: Festschrift zum 70. Geburtstage A. Berliners S. VII—XXXI.

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