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Jeschurun · 1923-09-01 · Heft 9-10 (September 1923) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 9-10 (September 1923)
Date
1923-09-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Zum fünfzigjährigen Bestehen des Rabbinerseminars 325 verkörpert, sondern auch als religiöse Forderung aufgestellt. Ob diese Forderung freilich heute für diejenigen, die nicht mit aussergewöhnlichen Anlagen bedacht sind, durchführbar ist, kann zweifelhaft erscheinen. Insofern versteht man es, wenn von Esriel Hildesheimer verschiedene Aussprüche überliefert werden, bald solche, in denen er erklärte, dass Latein treiben ebenso eine Mizwoh ist wie einen Schiur lernen, bald solche, in denen er die Gefahr des בטול תורה ausmalt. Jedenfalls liess er die Bedenken zurücktreten vor dem grösseren Ziele: der Rettung des thoratreuen Judentums in Deutschland. Er hatte den Mut, das viel missbrauchte Wort: עת לעשות לח' הפרו תודתך wie der grosse Rabbi der Mischna in seinem rechten Sinn und zur rechten Zeit in Anwendung zu bringen: um der Erhaltung willen das Thorastudium der Thorabeflissenen etwas einzuschränken. Der Erfolg hat ihm Recht gegeben. Wenn wir in Deutschland in zahlreichen Gemeinden noch Kreise haben, die Achtung vor der Thora bezeigen, eine Jugend, die sich znm Thorastudium drängt, ist es der Verdienst der Schüler, die aus dem Rabbinerseminar hervorgegangen, die hier mit dem Rüstzeug versehen wurden, den immer weiter schreitenden Abfall hintanzuhalten, die, wenn sie auch infolge der Aneignung des profanen Wissens das Talmudstudium nicht mit der Energie und Ausschliesslichkeit vergangener Jahrhunderte treiben konnten, dafür die Seelen der ihnen Anvertrauten über die Wirrnisse nie erlebter Stürme für eine bessere Zeit retteten. Esriel Hildesheimer hat der jüdischen Wissenschaft mit Erfolg seine Kraft gewidmet. Zeuge dessen: seine Schriften. Sein Hauptverdienst war es, dass er die rechten Helfer zu linden wusste, die sein Werk über das ursprüngliche Ziel hinaushoben. Das Rabbinerseminar wurde durch den Lehrkörper, den er ins Leben rief, mehr als eine blosse Anstalt zur Ausbildung von Rabbinen, es wurde eine der angesehensten jüdischtheologischen Fakultäten. Von 1welcher Bedeutung das für eine Zeit war, in der die Wissenschaft eine beherrschende Stellung im Leben der Menschheit einnahm, kann nur der ermessen, der jene Zeit mit reger Anteilnahme durchlebt. Mitten im Kreise der

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