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Jeschurun · 1923-09-01 · Heft 9-10 (September 1923) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 9-10 (September 1923)
Date
1923-09-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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324 Zum fünfzigjährigen Bestehen des Rabbinerseminars zu zeigen, dass die Errungenschaften der Emanzipation nicht unbedingt zum Abfall vom väterlichen Glauben führen mussten, von einzigartiger Bedeutung war. Esriel Hildesheimer war seinem ganzen Wesen nach, in seiner Naturwüchsigkeit, seiner dem eigentlichen Pathos fernen Art, seiner auf das rein Intellektuelle gerichteten Methode, völlig anders eingestellt. Ein Blick in jede seiner Schriften zeugt von dem Unterschied, und jeder, der ihn als Persönlichkeit erlebt, weiss es durch zahllose Beispiele zu belegen. — Er war ein Raw alten Styls, dessen Interesse sich auf das ״Lernen“, das intensivste Lernen konzentrieren konnte, der zu Zeiten völlig aufging in der Arbeit für die Jeschiwah, in der Beantwortung rein halachischer Fragen, die ihm ja aus aller Welt zuflossen. Und dann war er wieder Akademiker, nicht nur der Graduierung nach, sondern aus Lust und Neigung, aus innerstem Trieb. Daraus ergab sich ein Doppeltes. Zuerst: die Erkenntnis, dass Bibel und Talmud nicht bloss in den früher überlieferten Formen zu treiben seien, sondern mit dem ganzen Rüstzeug, das die Fortschritte der Wissenschaftliehen Methodik der Zeit an die Hand geben. Zu zweit aber: ein viel lebendigeres Empfinden für die Bedeutung der Wissenschaft im Einzelnen und für den Wert der nicht jüdischen Kultur im Allgemeinen. Der Akademiker hat ja im Durchschnitt schon allein durch seine siebenjährige längere Beschäftigung auf den Oberklassen der höheren Lehranstalten und der Universität mit den Disziplinen der Wissenschaft in dieser Beziehung vor denen viel voraus, die mit dem Einjährigen-Examen die Schule verlassen. So gewinnt er einen viel tieferen Einblick in das Wesen der modernen Kultur. Hier allein winken dem thoratreuen Jüngling die Freuden einer wahrhaft harmonischen Durchdringung von Judentum und Kultur, hier freilich lauern auch die Gefahren einer allzustarken Hingabe an die geistigen Mächte der Zeit und einer Neigung, das Thorastudium zu vernachlässigen. Eine Reihe unserer Grossen im Verlauf der jüdischen Geschichte haben jene Durchdringung von Thoratreue in Lehre und Leben mit der Kultur ihrer Zeit nicht nur in ihrer Person

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