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Jeschurun · 1923-09-01 · Heft 9-10 (September 1923) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 9-10 (September 1923)
Date
1923-09-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Zum fünfzigjährigen Bestehen des Rabbinerseminars 323 Esriel Hildesheimer nie geschreckt. In den letzten 36 Stunden vor der Eröffnung der Anstalt, in denen kein Schlaf in seine Augen gekommen, hatte er diese aus dem Wege geräumt. Ernster wurden von ihm die Bedenken genommen, die z. T. auch von wohlwollender Seite ihm entgegengehalten wurden, und mit denen er auch selbst gekämpft, ob nicht durch ein Rabbinerseminar den Zielen, die sich eine Jeschiwah steckt, Abbruch geschehen würde. Es ist hier zur Illustration nötig, auf das bekannte Schlagwort תורה עם דרך ארץ einzu gehen, das wir bisher mit Absicht vermieden haben. Es soll hier kein Werturteil abgegeben werden, wenn wir hier zum Vergleich die Persönlichkeit S. R. Kirschs heranziehen. Es ist nicht zufällig, dass das grösste Werk S. R. Hirschs die einzig dastehende Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M., während das Esriel Hildesheimers das Rabbiner-Seminar in Berlin ist. Es sei nur betont, dass das Wesen und Wirken Esriel Hildesheimers durchaus andersartig war. Der grosse Denker und Dichter S. R. Hirsch erstrebte eine Verbindung des Judentums mit deutscher Kultur. Die Schönheit Japhets wollte er in den Zelten Sems heimisch machen. Wenn er die ganze Jenseitigkeitsrichtung der Religion bekämpfte und nicht müde wurde, in immer neuen Ausführungen zu erweisen, dass das Judentum so recht eine Religion des Diesseits sei, dazu bestimmt, die Menschen hienieden durch die ErfüUung der Gottesgeböte zu beglücken, so war es von selbst gegeben, dass das ausschliessliche Talmudstudium, das nun einmal einen Zug der Weltflucht an sich trägt: ohne irgendwelche prinzipielle Neigung zur Askese doch recht wenig von den Gütern dieser Erde gemessen will, in seinem Wirkungskreise zurücktrat. Der grosse Befehder refomatorischer Aesthetisierung des Kultus hat doch viel beigetragen zur Aesthetisierung der religionsgesetzlichen Uebung. Durch die gehaltene Würde seiner Persönlichkeit, verbunden mit der geradezu künstlerischen Verklärung, die er dem Judentums in seinen Schriften gegeben, wurde S. R. Hirsch der vollendete Typus jenes von ihm verkündeten Ideals des ,Mensch- Jisroel“, ein Typus, der zu einer Zeit, als es galt, einer Welt,

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