Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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320 Zum fünfzigjährigen Bestehen des Rabbinerseminars Praxis es für die gesetzestreue Judenheit gleich unannehmbar, ob das Trifolium Stern, Bernstein, alias Rebenstein und Holdheim die äusserste Reform im Kultus stabilisierte, ein Leopold Stein zur Abschaffung der Beschneidung aufrief, oder gemässigte Reformer das Tragen mancher Gegenstände am Sabbath, den טוב שני של גלילת nr und gewisse Speisegesetze als unerheblich bezeichneten. Rabbinerversammlungen und Synoden sollten für die Theorie und die neue Praxis eine gemeinsame Basis schaffen, vor allem aber für Lehranstalten zur Ausbildung eines Rabbinergeschlechtes sorgen und deren Lehrkörper durch freie schöpferische Arbeit in den Disziplinen der Wissenschaft des Judentums den Grund für eine neue Gesamtauffassung vom Judentum legen. Sehen wir ab von den Rabbinerbildungsanstalten ausserhalb Deutschlands, wo die hervorragendste in Budapest der Reform diente, die in Padua, Amsterdam und Paris schon deshalb, weil territorial beschränkt, wenig hervortraten, so sind das jüdisch-theologische Seminar in Breslau und die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin von entscheidender Bedeutung gewesen. So stark die Gegnerschaft war zwischen den beiden ersten Leitern dieser Anstalten zwischen Frankel und Geiger, ein Gegensatz, der mit dem Ausscheiden Frankels in der ersten Rabbinerversammlung begann, durch die Angriffe Geigers verschärft wurde und in eine erbitterte Fehde zwischen den beiden Richtungen auslief, so war der Unterschied zwischen diesen beiden vom Standpunkt des thoratreuen Judentums doch nur ein Unterschied des Grades. Von dem damals sich vorbereitenden Prinzip der Evolution, das seinen Siegeszug auf allen Gebieten der Wissenschaft antrat, waren beide Richtungen beherrscht. Das war die geistige Situation des Judentums in Deutschland, als R. Esriel Hildesheimer mit der Gründung des Berliner Rabbiner-Seminars für das thoratreue Judentum eine neue Basis schuf. Es ist hier nicht der Ort und die Zeit ein Bild von den grossen Verdiensten seiner Vorgänger und Mitstreiter zu entwerfen, der grossen Rabbinen Jakob Ettlinger,BärSeligBamberger;