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Jeschurun · 1923-09-01 · Heft 9-10 (September 1923) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 9-10 (September 1923)
Date
1923-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Zum fünfzigjährigen Bestehen des Rabbinerseminars 319 Die Mittel, jenen Weg mit Erfolg zu beschreiten, waren dreifacher Art. Es musste die Theorie in ein System gebracht und wissenschaftlich begründet werden, über die neue in die Gemeinden einzuführende religiöse Praxis war eine Einigung zu erstreben und ein Stamm von jungen Führern war auszubilden, die in ihrem Wirken der neugewonnenen Theorie und Praxis Dauer verbürgten. Die damals begründete ״Wissenschaft des Judentums“, sollte das Mittel finden, den Theorien der Reform als geeignetes Fundament zu dienen. Sie ist ein legitimes Kind ihrer Zeit. Mit dem Augenblick, da das historisch-philologische Zeitalter anbrach — man erinnere sich, dass noch dem ganzen 18. Jahrhundert der Sinn für die geschichtliche Betrachtung abging, — war es von selbst gegeben, dass auch das Judentum und seine Literatur der historisch-philologischen Behandlung unterworfen wurde. In der Tat wurde Bedeutsames geschaffen. Doch anstatt in den Bahnen gründlicher, faehgemässer Forschung zu bleiben und die Wissenschaft des Judentums, wie das früher geschehen, nur mit anderen Methoden, in allen ihren Zweigen zu bereichern, in Exegese, Grammatik, Religionsphilosophie, Methodik der talmudischen Forschung, sichere Fundamente legend und mit Achtung vor dem Jahrtausende alten Gut, wurden, phantastischen Einfällen nachgebend, von tendenziösen Voraus- Setzungen aus luftige Hypothesen aufgestellt, umso willkommener aufgenommen, je mehr sie den traditionellen Anschauungen widersprachen. Die mannigfachsten Schattierungen vom äussersten Radikalismus bis zur gemässigten Reform machten sich da in Theorie und Praxis geltend, und es war für das thoratreue Judentum gleich bedenklich, ob ein Geiger in seiner ״Urschrift״ den massoretischen Text seiner Heiligkeit entkleidete, oder ein Greizenach mit uns heute grotesk anmutendem krampfhaften Bemühen die Forderungen der Reform aus dem Talmud selbst zu belegen suchte oder ein Frankel der Verbindlichkeit der mündliehen Lehre den Boden entzog, indem er sie als spätere Schöpfung der Talmudjünger zu erweisen suchte. Und ebenso war für die

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