Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Die ״Volksreligion״ Israels 273 gegenüber dem Syrer Naeman (2. Kön. 5, 8 ff.)? Sind die Weissagungen vom Hinaufwallen aller Nationen zum Tempelberge des Ewigen (Jes. 2, 2—4) und ״dass du, Israel, der Vermittler meines Heiles seiest bis an die Endpunkte der Erde“ (49,6 b) aus den Quellen gestrichen? Und ״Sprachgrenzen“ sah sich die prophetische Religion Israels gezogen? Schon in den Noahsprüchen (1. Mos. 9,25—27) ist doch verkündet, dass Japheth (also der Urahne der Indogermanen) in den Zelten Sems wohnen soll, und bereits das Targum Jeruschalmi hat dies richtig so gedeutet: ״Und es werden Proselyten werden seine (Japheths) Söhne und im Lehrhause Sems wohnen.“ Und welche grossartige neue Bewahrheitung hat jener Noahspruch gefunden, als die hebräische Bibel in die Sprache der Israeliten übersetzt wurde, die im griechischen Sprach- und Kultur gebiet eine neue Heimat gefunden hatten! Jedoch dies ist schon genug und übergenug zur Beleuchtung jener Sätze, zu deren Aufstellung sich leider ein Professor der alttestamentlichen Forschung verirrt hat. Es bedarf keiner weiteren Beweise dafür, dass die mit Abrahams Berufung begründete Religion eine allgemeinmenschliehe Bestimmung hatte, nur in ihrer vorübergehenden Form aus erzieherischen Gründen göttlicher Weisheit (vgl. meine Theologie A. Ts. §77!) national, aber zugleich übernational war. Das ist der erste Grund, weshalb bei der Bezeichnung der zurecht bestehenden oder legitimen Religion Israels der Ausdruck ״Volksreligion“ zu vermeiden ist. Der zweite Grund liegt in folgenden Tatsachen: Neuerdings ist nämlich auch dies gemeint worden, dass die wahre Religion Israels das Erzeugnis einer besonderen Naturanlage dieses Volkes gewesen sei. Denn wie die Hellenen die Anlage besessen hätten, das Kunstideal auszubilden, so wäre es die eigenartige Befähigung der Hebräer gewesen, die religiöse Idee aufs vollkommenste auszugestalten. Aber erstens ist die Religion in viel höherem Grade das Lebensideal für die führenden Geister Israels gewesen, als die Kunst es für die Hellenen war. Man sieht dies ja auch daran, dass für Israel auch nach dem Zusammenbruch seiner