Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293019-2293024--06241-2299527- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
272 Di© ,,Volksreligion״ Israels usw. als Vertreter der neuen Art von Volksreligion Israels auf, deren erstes Moment soeben erwähnt worden ist. Vielmehr ,wird dieses und die andern Momente, aus denen man diese neue Art von ״Volksreligion Israels“ zusammengesetzt sein lässt (vgl. ״Volksreligion“ im Sachregister meines soeben zitierten Buches!), von den Geschichtsschreibernisraels vertreten, und diese gehörten schon wegen ihrer scbriftstellerischen Fähigkeiten zur geistigen Elite des Volkes Israel. Sie haben die Berufung Abrahams und die Gesetzesenthüllung Gottes an Mose als Tatsachen gefeiert, sind also Anhänger und Verkünder der prophetischen Religion ihres Volkes gewesen. Demnach ungetadelte Bestandteile des althebräischen Schrifttums will man11) neuestens zur ״Volksreligion Israels“ machen. Folglich muss diese neugeschaffene ״Volksreligion Israels“ aus inhaltlichen und formellen Gesichtspunkten eine Missbildung genannt werden. Diese Erörterung des Themas ״Die Volksreligion Israels“ würde aber an Unvollständigkeit leiden, wenn nicht endlich noch ein dritter Weg, auf dem man die Religion Israels in das Lager der ״Volksreligion“ überführen möchte, nach seiner Richtigkeit befragt würde. Dieser dritte Weg ist allerneuestens in folgenden Sätzen beschritten worden: ״Im Gegensatz zu Weltreligionen kann ohne Zweifel die altisraelitische eine Volksreligion heissen, weil sie sich Staats- und Sprachgrenzen gezogen sah.“12) Aber wie denn soll dies behauptet werden dürfen? Besteht denn die in einer ältesten Quelle enthaltene Verheissung an Abraham ״In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden“ (1. Mos. 12, 3 b usw.) nicht mehr zurecht? Oder kennt man nicht mehr Elias gottbefohlene Einkehr bei der Witwe im phönizischen Zarpath (1. Kön. 17,9 ff.) und Elisas Verhallen 11) Auch J. G. Frazer, Folk-lore in the Old Testament (London 1919). 12) W. Caspari, Die Gottesgemeinde am Sinai und das nachmalige Volk Israel (1922) S. 85.