Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Die ״Volksreligion״ Israels 269 sträubt sich, derartige Aeusserungen wiederzuschreiben, aber sie müssen doch beurteilt werden. Um nun nicht vor allem wieder die UntTeue zu betonen, die in dem Verhalten Manasses lag, so enthalten die angeführten Worte ein unerhört starkes Stück von Verkennung gegenüber dem höheren Ursprung der prophetischen Religion Israels und gegenüber dem darin enthüllten Wesen des ewigen Gottes. Solche Verkennung lag schon Männern wie Josua und Samuel fern. Auf Grund der religionsgeschichtlichen Erfahrung Israels waren schon z. B. diese Männer über den Gedanken erhaben, dass eine nationale Notlage aus der Schwäche des alten Rettergottes herzuleiten sei. Einen solchen Gedanken in die Welt zu setzen, das war einem Schriftgelehrten der auf ihre Erkenntnis so eingebildeten Neuzeit Vorbehalten. Aber schon jene alten Männer erkennen in Unglücksschlägen, die über ihr Volk hereinbrachen, vielmehr Strafen und Erziehungsmassnahmen der Gottheit (Jos. 23, 12 f., 1. Sam. 7,1 ff. usw.) und hielten deshalb auch dem gerechterweise zürnenden Gotte der Väter die Treue. Aber nicht genug, dass neuerdings der Abfall zur sögenannten Volksreligion Israels entschuldigt worden ist5), man hat es sogar gewagt, diesen Abfall als einen Fortschritt hinzusteRen. Dies tritt z. B. auf die folgende Weise zutage. Bei der Erwähnung von König Josias Kampf gegen Manasses religiöse Massnahmen wird mit spottendem Tone hervorgehoben, dass Josia ״als Knabe auf den Thron kam“6). 0 welche Kurzsichtigkeit, um nur das Geringste zu sagen! Oder hat Josia nicht erst in seinem achtzehnten Regierungsjahre seine Reformation unternommen? Ausserdem hat die in den zitierten Worten zum Ausdruck gebrachte höhere Einschätzung der ״Volksreligion“ Israels auch Tatsachen der allgemeinen Kulturgeschichte gegen sich. Denn die Religionsart, die man gleich Manasse mit jenen Worten bevorzugt, wird schon dadurch als eine 5) Mehr Belege verzeichnet meine ״Theologie des A. T.“ (3. AufL 1923), § 7,7 a. 6) Ed. Meyer, der Papyrusfund von Elephantine (1912), S, 60. 2