Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1923-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1923) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1923)
Date
1923-07-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2293019-2293024--06237-2299523
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

268 Die ״Volksreligion“ Israels gewesen sind. Wer dächte nicht sofort z. B. an Salomo, Jerobeam I., Ahab und Manasse? Endlich ist diese moderne Be- Zeichnung jener sechs Arten von Anschauungen und Uebungen geradezu falsch, weil sie den Hauptzug im Charakter jener sechs Richtungen des religiösen Denkens und Handelns vertuscht. Dieser Hauptzug aber liegt darin, dass sie auf Treulosigkeit ihrer Freunde gegenüber der Religion der Väter und auf Undankbarkeit gegenüber dem alten Rettergott beruht, der sein Volk erst aus Not und Tod erlöst hat (2. Mos. 15, 1—18). Deshalb gebrauche ich höchstens die Ausdrucksweise ״die sogenannte Volksreligion Israels״ und definiere sie als die Summe von religiössittlichen Anschauungen und Uebungen, gegen die in den Quellen Protest erhoben wird. In der neuesten Zeit aber haben sich mehrere Darsteller der Religionsgeschichte Israels nicht damit begnügt, diesen mindestens missverständlichen Ausdruck ״die Volksreligion Israels״ zu gebrauchen, sondern sie zeigen auch eine heimliche Neigung dazu, die kulturgeschichtliche Stellung dieser sogenannten Volksreligionlsraels zu verteidigen und zu erhöhen. Denn zunächst werden die Personen in Schutz genommen, welche den oder jenen Bestandteil dieser ״Volksreligion״ begünstigt haben. Oder wird nicht z. B. der Entschluss Salomos, den in seinen unnötig erweiterten Harem aufgenommenen ausländischen Frauen Altäre ihrer Götter zu erbauen, als ursprünglich ״unanstössig“ hingestellt?3) Aber man entschuldigt nicht bloss solche Unterwühlung des Prinzips der Alleinverehrung J.... s, sondern schreibt J sogar z. B. folgendes: ״Hatte J...6 sich auf die Dauer doch nicht mächtiger erwiesen, als die Götter Assyriens, war es da nicht von selbst das Richtige, ihm den Laufpass zu geben?4״). Nicht wahr, die Feder 8) so bei Kautzsch, Biblische Theologie des Alten Test. (1911). S. 75. 4) Kittel in seinem Artikel ״Manasse“ in der Protestantischen Realenzyklopädie, 3. Aufl., Bd. XII, S. 15.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.