Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Die ״ Volksreligion “ Israels 267 hauptsächlich in dem ״Friede, Friede-Rufen“ der falschen Propheten sich ausprägte, die den notwendigen Strafernst der Gottheit vergassen und deshalb den Horizont der Zukunft gern mit rosigen Farben malten. Ueber diese sechs Punkte als Verletzungen der besonderen Religion Israels sind alle anerkannten Quellen der Geschichte Israels einig. Gegen diese sechs Arten von Anschauungen und Uebungen wird in allen Gesetzbüchern Israels nicht bloss protestiert, sondern auch mit Bestrafung durch die Gemeinde gedroht (5. Mos. 13, lff. usw.). Und gibt es auch eine gemeinsame Bezeichnung für diese sechs Richtungen des Denkens und Handelns? Aus den Quellen könnten nur diese zusammenfassenden Bezeichnungen geschöpft werden: Ungehorsam gegen die Stimme des Ewigen (2. Mos. 19,5 usw.) oder Untreue gegen ihn (5. Mos. 32, 20) oder Abfall von dem heiligen Gotte Israels (Jes. 1,2 b. 4 b usw.). Den Quellen entsprechend könnten jene sechs Richtungen des religiösen Denkens und Handelns nur als ״verbotene Religio n“ oder ״falsche Religion״ bezeichnet werden. Darf auf diese Grösse nun auch der Ausdruck ״die Volks־ religion Israels“ angewendet werden? Nun aus Jes. 29, 10 14 ist zu entnehmen, dass ״dieses Volk“ die von Jesaja fünfmal (3,2; 9,14 usw.) bekämpften Propheten ״seine Weisen“ genannt hat. Sodann wird die grosse Mehrheit Israels oft (Jer. 2, 13 usw.) der Untreue gegen ihren Gott angeklagt und dabei in natürlich verallgemeinernder Ausdrucksweise einfach ״mein Volk“ gesagt, wie in ״Mein Volk befragt sein Holz“ (hölzernes Götzenbild; Hos. 4, 12). Aber diese Aussagen geben nur ein unsicheres Recht, jene sechs Richtungen des religiösen Denkens und Handelns als ״die israelitische Volksreligion“ zu bezeichnen; denn sie sprechen keineswegs vom ganzen Volke des Ewigen. Ausserdem ist diese Bezeichnung sehr missverständlich, weil sie leicht den Gedanken anregt, dass diese Religion nur von der breiten, niedrigen Volksmasse bevorzugt worden sei, während doch Personen aus den vornehmsten Schichten der Nation oft ihre Gönner