Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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7 266 Die ״Volksreligion“ Israels Gottheit treten durfte und dass diese Verbindung zur Segnung der ganzen Menschheit dienen sollte (1. Mos. 12,3 h und so fünfmal im ersten biblischen Buche). Als e in z e 1 n e Charakterziige dieser Religion spiegeln sich aber in allen Quellen die folgenden wider: erstens die Gewissheit, ein wahres Prophetentum zu besitzen, also dauernd im Verkehr mit dem Berufer Abrahams zu stehen; zweitens die Ueberzeugung vom Dasein eines Geistwesens, das im Unterschied von den babylonischen Göttern nicht aus dem Welt״ prozess hervorgegangen war; drittens der Gedanke von der Geistigkeit Gottes, die ihn über jede bildliche Dar- Stellung hinaushebt; viertens die Anschauung, dass die Gottheit nicht nur über geschlechtliche Differenzierung, sondern auch über alles Profane und insbesondere alles Unmoralische erhaben, d. h. heilig ist, und wie die Religion weiter gekennzeichnet werden könnte, die in allen Quellen der Religionsgeschichte Israels als die zu Recht bestehende anerkannt und wegen deren Vertretung niemand in ihnen getadelt wird. Aber gab es neben dieser legitimen Religion Israels nicht auch noch eine andere Religion in Israel? Diese Frage haben die Geschichtsschreiber Israels, wenn auch mit Schmerz, so doch mit Freimut bejaht. Denn sie haben überhaupt nicht, wie neuerdings oft gesagt worden ist, ihre Bilder ״auf Goldgrund gemalt״. Im Gegenteil ist es ein höchst interessanter Charakterzug der hebräischen Geschichtsschreibung, dass sie auch bei Persönlichkeiten, dio, wie z. B. David und Salomo, im allgemeinen hoch zu rühmen waren, doch etwaige Fehler nicht verschwiegen hat. Diese Wahrheitsliebe der hebräischen Geschichtsbücher zeigt sich nun auch darin, dass sie ausdrücklich über eine längere Reihe von religiösen Vorstellungen und Gebräuchen berichten, denen kleinere oder grössere Kreise Israels in Abweichung von der legitimen Religion ihres Volkes gehuldigt haben. Diese Abirrungen können kurz als Wahrsagerei, Zauberei, Götzendienst, Bilderdienst, Ausartung des Kultus in Kinderopfern und Tempelprostitution, endlich eine falsche Zukunftserwartung aufgezählt werden, die