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Jeschurun · 1923-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1923) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1923)
Date
1923-07-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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258 Die grosse Versammlung Religionsgesetzes. So will es das überlieferte Judentum, und das ist das Programm der Aguddas Jisroel. Als der bedeutsamste Weg, die Gesamtheit des thoratreuen Judentums diesem Ziele entgegenzuführen, ist mit Recht stets die Verbreitung des Thorastudiums angesehen worden. Wie die starke Berührung von Ost und West, hervorgerufen durch die Umwälzungen im Weltkrieg und seine Folgeerscheinungen, die Bestrebungen der Aguddas Jisroel im letzten Jahrzehnt aufs Glücklichste unterstützt hat, ist allgemein bekannt. Weniger tritt naturgemäss in die Erscheinung die Anähnelung des Westjudentums an die Einstellung des Ostjudentums in der Lebensanschauung, obwohl auch sie manche Fortschritte gemacht. Diese Einstellung ist dadurch charakterisiert, dass sie in besonders hohem Masse die Diskrepanz zwischen Lehre und Leben, zwischen Theorie und Praxis zu überwinden sucht, dass sie den Juden in einer dem Aussenstehenden schier fremdartig erscheinenden Weise zu einem Volljuden sich entfalten lässt, der sein ganzes Leben und sein Leben ganz als Jude lebt. Dort, wo die europäische Kultur geistig, wirtschaftlich und sozial sich des Juden * bemächtigt, war immer der Erfolg: ein Jude daheim und ein Mensch draussen, wobei an den Begriff des ״Juden“ bescheidene Ansprüche gestellt waren und der ״Mensch“ als der Mensch der Zivilisation nicht aber als der der Kultur oder gar des Ideal״ typus des Judentums sich gab. So sehr wir nun überzeugt sind, dass ein tieferes Eindringen in unsere heiligen Quellen auch zu einer Umwandlung des Menschen führt, in immer höherer sittlich-religiöser Vervollkommnung zur lerzten Stufe, so gefährlich ist die ausschliessliche Betonung eines einseitigen Intellektualismus im Thorastudium. Hat sich das in furchtbarer Weise in der Entwicklung der ostjüdischen Jugend gerächt, wie erst dort, wo die Jugend nur auf kurzen Strecken das gewaltige Gebiet, wo sie, den spielenden Kindern gleich, im Meer des Talmuds mit den Füssen nur seichten Boden betritt, nur mit den ersten Elementen vertraut von der Tiefe und letzten Wahrheit wenig ahnt. Alle Sicherung durch eine von erhaltenden Kräften erfüllte Umgebung, alle Disziplinierung durch Jugend״

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