Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Die altisraelitischeB Propheten usw. 229 dem Wege der Assoziation neue entstehen4*' (S. 55). Aber das Grundbekenntnis der in Rede stehenden Propheten liegt in den Worten ״Nicht au3 unserm Herzen44, d. h. unserer Denkwerk־ statte, denn sie nannten die andern Propheten, die im Namen des Ewigen zu sprechen wagten, ״Propheten aus ihrem Herzen44 (Hes. 13,2 usw.). Sie haben auch keineswegs irgendwo sich so ausgedrückt, als wenn sie Ueberlegungen angestellt und das Ergebnis derselben als göttliche Kunde gepredigt hätten. Waren sie sodann etwa Ignoranten auf dem Gebiete des Seelenlebens? Nein, sie kannten das Herz als ein hinterlistiges, d. h. leicht zu Täuschungen verleitendes Organ (Jer. 17, 9) und durchschauten die psychologischen Vorgänge so deutlich, dass Hesekiel seinen Gott von den Gegnern sagen lässt: ״Was in eurem Geiste aufsteigt, ich kenne es44 (11,5). Sie warfen den Rivalen vor, dass sie aus ״Schauungen des Herzens44, also aus Phantasiegebilden ihrer Denkwerkstätte, ihre Reden schöpften (Jer. 23, 16 usw.) und nannten sie deshalb ״Lehrer der Falschheit44 (Je8. 9,14). Sie kannten auch sogar den Begriff der Illusion. Denn sie bedrohten die, ״welche nur vor ihren Augen weise sind“, mit einem Weherufe (5, 21). Sie haben endlich auch berichtet, dass sie durch ihre prophetischen Wahrnehmungen Unbekanntes, Neues, Uebermenschliches enthüllt bekommen haben. Das sagen ihre Berichte vom ersten bis zum letzten. Oder wurden sie von den Szenen, die sich vor ihnen ausbreiteten, nicht erschreckt und in Staunen versetzt? Man lese, um sich von neuem davon zu überzeugen, nur z. B. Jes. 6, 5; Jer. 24,1 ff.; Hes. 1,4 ff.; 11, 13! Also der Vorgang bei den prophetischen Wahrnehmungen der in Rede stehenden Propheten kann nicht so gewesen sein, wie es in den angeführten Worten Jacobis heisst, dass die prophetischen Wahrnehmungen ״von schon vorhandenen Vor- Stellungen gespeist wurden44. Ja, bei der Jungfrau von Orleans erklärt es sich aus den in ihr lebendigen Vorstellungen, dass sie Erscheinungen des Engels Michael hatte. Denn dieser war der Schutzheilige der Valois, der damaligen französischen Königsfamilie, und die Franzosen hatten im Juli 1425 die Engländer 4 ׳ 4