Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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228 Die altisraelitischen Propheten usw. dritten Grund sucht er (S. 4) in dem Umstand, dass auch dem Propheten Jeremia gegenüber einmal der Ausdruck meschuggac ״von Sinnen gekommen“ zur Charakterisierung des Prophetentums verwendet worden ist. Aber hat er auch gefragt, wie dies geschehen ist? Nur von seiten der Gegner ist Jeremia (29, 27) in die vorher dort erwähnte Klasse der ״von Sinnen gekommenen und sich als Propheten benehmenden Personen“ (V. 26) hineingenommen worden. Das besitzt also nur dieselbe Beweiskralt, wie der Vorfall, dass ein Prophetenjünger, der einen ganz ausserordentlichen Auftrag (den Feldhauptmann Jehu zum Gegenkönig zu salben) begreiflicherweise in stürmischer Eile erledigte, von seiten der über sein Auftreten verdutzten Soldateska als ein ״Unsinniger“ betitelt wird (2. Kön. 9,11). Hosea aber bezeichnete sich selbst (9,7) als ״von Sinnen gekommen“, nämlich über das grenzenlose Unglück seines Volkes, wie ebenderselbe Ausdruck vom Volke selbst gesagt ist (5. Mos. 28,34)! Die Gegengründe aber, die sich gegen die Annahme vom ekstatischen Wesen Jeremias und seiner Reihe (7, 25) erheben, kennt e r nicht, weil er sie in der von ihm ausschliesslich benützten, seinen eigenen Standpunkt teilenden Literatur nicht erwähnt gefunden hat. Der Tatbestand ist nach den Quellen aber dieser. Die Propheten haben ihre besonderen Wahrnehmungen nicht im Zustand der Ekstase, d. h. bei Verlust des Bewusstseins, erlebt. Jesaja war ja auch während seiner BerufungsVision sich dessen bewusst, dass er ein mit Wortsünden beladener Mensch sei (6, 5), und Jeremia erhob auch unter dem Eindruck des ihn besiegenden göttlichen Impulses (20, 7) den Einwand, dass er für das Prophetenamt noch zu jung sei (1,6). Ferner wie will Jacobi seine zweite Hauptaufstellung begründen, dass die von der legitimen Religion Israels anerkannten Propheten ihre Verkündigungen aus Halluzinationen (S. 55. 57) geschöpft hätten? Er behauptet, dass ״die Entstehung der Halluzinationen bei den Propheten so zu denken sei, dass sie aus dem Schatze der schon vorhandenen Vorstellungen gespeist wurden, indem auf