Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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224 Die altisraelitischen Propheten usw. Wesen beteiligt habe, das an Mitgliedern der Prophetenvereine hervortrat? Nein, durchaus nicht, wie auch der Orientalist Friedrich Schwally3) sehr richtig bemerkt: ״Jedenfalls sind von Samuel keine ekstatischen Zustände berichtet.״ Das aufgeregte Wesen zeigte sich nur bei den Propheten s c h a r e n, und zwar nur in jener Zeit, in der die religiöse Begeisterung mit der patriotischen in einer Doppelflamme emporloderte, und es ist auch psychologisch ganz erklärlich, dass die Begeisterung in einfacheren oder weniger reflektierenden Gemütern stärkere Resonanzen im Gefühlsleben auslöste. Indem nun aber jener neueste Prophetenbeurteiler sich an der jetzt weithin geübten quellenwidrigen Vermischung von Prophetenmeistern und Prophetenjüngern beteiligt, meint er eine Hauptgrundlage für seine Ansicht, dass die Ekstase der g r u n d 1 e g 1 i c h e Zustand der a 11 i s r a e 1 i t i s c h e n Propheten gewesen sei, gewonnen zu haben. Und vermag er auch noch andere Gründe für diese Annahme anzuführen? Nun zunächst macht er folgenden Versuch zur Begründung: ״Um sich in ihren ekstatischen Zustand zu versetzen, bedienten sie sich der Musik. Musik übt ja noch heute ihre eigentümlich erregende Wirkung auf gewisse Menschen aus“ (S. 7). Um diese Binsenwahrheit zu enthüllen, bedurfte es keines ״Psychiaters״. Aber versetzt der Klang der Musik auch wirklieh in E k s t a s e , d. h. Aussersichsein, Bewusstlosigkeit? Er zitiert gern Sätze von Herder, aber dessen Worte ״Das Beispiel dessen, der einen Saitenspieler kommen liess [2. Kön. 3,15], um, wie man sagt, die Gabe der Weisssagung bei sich zu erwecken, wird sehr gemissbraucht. Er liess ihn kommen, um seinen Zorn zu besänftigen, in dem er keines Ausspruchs der Vernunft, viel weniger eines göttlichen Ausspruchs fähig war4״) die hat er leider nicht gefunden. Sodann ist auch bei ihm wieder der Tanz ein drastisches Mittel ״der“ Propheten, um sich in Erregung zu versetzen. Aber darf man 3) Schwally in seinem Buch ״Semitische Kriegsaltertümer״ I. S. 19. 4) Herder, Vom Geist der Ebräischen Poesie, II. S. 66 (Ausgabe von Suphan).