Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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222 Die altisraelitischen Propheten uaw. Sinne, d. h. als der Sprecher über die höchsten Interessen des Menschengeistes, und das ist die Religion, gemeint ist. Er war derHeroldder Gottheit Weiter spricht Jacobi ausführlich über geschichtliche Verhältnisse des altisraelitischen Prophetentums und über die Verbreitung der Ekstase im Altertum und der semitischen Völkerwelt bis nach Griechenland, ohne dass wir dadurch in unserer Erkenntnis über das Wesen der biblischen Propheten gefördert würden. Denn auch diese Erscheinung der altisraelitischen Religion kann nur aus deren eigenen Quellen, aber nicht aus dem ״Milieu“ erkannt werden, das jetzt so häufig als allgemeiner Färb topf verwendet wird. Ein noch wichtigerer Charakterzug der in Rede stehenden Prophetenbeurteilung ist aber dies, dass sie bei diesen Ausführungen, die nur ganz indirekt mit der Erörterung des im Buchtitel genannten Themas Zusammenhängen, sich an vielen Aufstellungen beteiligt, die in den letzten Jahrzehnten von einer gewissen Richtung aufgebracht worden sind, die sich der Herrschaft in der Wissenschaft vom althebräischen Schrifttum zu bemächtigen strebt. Da marschieren sie alle auf, die modernen Dogmen, die man in den bekanntesten Büchern über die Geschichte und speziell die Religion Israels jetzt zu lesen pflegt. Denn auch für Jacobi ist vor allem dies eine ausgemachte Sache, dass erst spät, erst zu Samuels Zeit -.ein Uebergang des Prophetentums von den Kanaanitern zu den Israeliten stattgefunden habe. Er als Dilettant in diesen Fragen kennt ja nicht die Gegengründe, die sich gegen' diese Aufstellung erheben. Aber welche schon psychologisch unnatürliche Annahme ist es, dass eine hervorragende Erscheinung des Baalskultus gerade von dessen eifrigsten Bekämpfern in die Jahwereligion herübergenommen worden sein soll! Sodann ist es geschichtlich unwahr, dass, wie Kuenen (Wellhausens Hauptvorgänger) sagt, die schon vor Samuels Zeit wachsende Schar von Nebi’im in Samuel nur ihren Führer bekommen habe. Denn in 1. Sam. 3, 1 ist berichtet: ״Das Wort des HErrn war selten in jenen Tagen, Vision wTar nicht häufig.״ Nein nicht