Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Das Hohelied 201 wandernd, seine Treue gegen Gott unter Blut und Leiden bezeugen muss, bis zum zweiten Male aus der Wüste der Geliebte kommt zu letzter fester Vereinigung. Man denke an des Hosea Worte: ״Hadert wider eure Mutter, denn sie ist nicht mein Weib, und ich bin nicht ihr Gatte, dass sie ihre buhlerische Schminke sich vom Gesichte nehme und den unzüchtigen Schmuck von ihrem Busen: . . . . denn untreu ist der Kinder Israel Mutter geworden, mit Schande bedeckt ihre Erzeugerin und sie spricht: ich will meinen Liebsten nacheilen, die mich beschenken mit Brot und Wasser.und so eilt sie ihren Liebsten nach und kann sie nicht erlangen und sie nicht finden. Dann denkt sie: ich will gehn und umkehren zum ersten Gatten, denn besser war mir damals als jetzt . . . . Fürwahr, ich werde sie überreden und nach der Wüste führen, ihr zu Herzen sprechen und ihr ihr Glück — ihre Weinberge — schenken von dort und ihr Unglück wandeln in neues Hoffen, und dann wird ihre Liebe sie mir bekennen wie in Jugendtagen und wie einst, da sie heraufzog aus dem Lande Aegypten (Hosea2, 3—17). Also auch hier das gleiche Bild und der gleiche Parallelismus zwischen Israels erster und letzter Erwählung, die Wüste hier wie dort die Stätte des Sichfindens und des Treubekenntnisses. Bis in die Einzelheiten geht die Aehnlichkeit des Prophetengleichnisses mit dem hohen Liede: das ונתתי לה את כרמיה משם spiegelt sich in dem כרמי שלי לפני, dem Ausdruck vom Israels Selbstgewissheit; die dunkle Anspielung des פשטתי את כתנתי ״ich hatte meine Gewandung abgelegt״ wird deutlich illustriert, wenn Hosea sagt (Vers 15) ותעד נזמה וחליתה ותלך וגף, sie schmückt sich mit Spange und Kette und ging den Liebsten nach, wenn er sagt, dass sie in Gesicht und am Busen die Zeichen der Buhlerin trägt. Da aber die Stunde der letzten Erlösung noch nicht geschlagen hat, so schliesst unser Lied elegisch ab: ״entfliehe, Geliebter, dem Hirsche gleich auf die würzigen Berge״, in die