Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- IRI
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200 Das Hohelied Dein Haar gleich der Ziegenheerde am Abhang des Gilead. Deine Nase wie ein Wartturm des Libanon, der schaut gen Damaskus. Deine Augen wie die Weiher von Hesbon, am Tore vom Bath-Rabim, Dein Haupt gleicht dem Karmel. Vor allem: Schön bist Du wie Jerusalem, lieblich wie Thirza. Anders bei der einzigen Schilderung des Geliebten, welche die suchende Sulamith gibt. Nur ein Bild aus des Landes Natur: ragend ist er wie der Libanon. Sonst bewegt sich ihre Darstellung in ganz allgemeinen, viel weniger konkretisierten Linien. Alles in allem, scheint uns, hat der Dichter die Allegorie u nverkennbar, ja unausweichlich gemacht, wenn man den Text bestehen lassen will, wenn man sich ehrlich fragt, ob der Sänger von irdischer Minne Sold wohl so sich ausgedriickt haben würde«. Ist aber die Allegorie einmal zugestanden, dann ist das ganze Liebesmärchen von hinreissender Deutlichkeit. Dann ist die vermummte Braut, die im Sonnenbrand ihrer Schönheit verlustig geht, die an fremdem Gute Dienste tut, Israel in Aegypten; dann ist ohne weiteres klar, warum sie der Stute am Wagen Pharaos verglichen wird, dass der Goldschmuck ihr so gut stehe, dass sie sich als Lilie vom Saron bekennt, die nicht ins Aegypterland gehört, dass sie dem Rufe: ״die Taube girrt und die Blüten prangen in unserem Lande״, so sehnsüchtig entgegenharrt, ihm aber dennoch nicht sogleich folgen.kann, dass der Geliebte von der Wüste heraufkommt, von 60 (Myriaden) Helden von den Helden Israels begleitet, dass endlich erst viel später, lange nach der endgültigen Erwählung Israels als Gottes- Volk der Einzug in den Garten Palästinas erfolgt. Und denken wir jetzt an die prüfungsreiche Geschichte Israels in der Richterzeit und Königsepoche! Wie das Volk leichte und schwere Untreue sich zuschulden kommen lässt, wie Gottes Warnungen erst ungehört verhallen, und Israel dann, von den umwohnenden Völkern, ״den Wächtern der Mauern״, geschlagen und verwundet wird, ja wie es, aus seinem Lande