Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Hohelied 199 spricht, aber immerhin gelten mag. Jedoch wie weiter? ״ Bringt der König mich in sein Gemach, so wollen w i r mit ihm jubeln und frohlocken, wollen seine Liebe preisen mehr als Wein״. An dieser Stelle versagt, wenn der massoretische Text bleiben soll, jede Möglichkeit einer Erklärung durch ein singuläres Subjekt; hier ist man wohl oder übel gezwungen, zu bekennen: das weibliche Subjekt ist ein Kollektives, das von sich bald in der Einzahl, bald in der Mehrzahl spricht. Die Braut ist ein V 0 1 k. Wenn dann der Hochzeitstragsessel Salomos in seiner Pracht und Herrlichkeit geschildert wird, so heisst es da: תוכו רצוף אהבה מבנות ירושלים, sein Innres ist gepolstert mit Liebe von den Töchtern Jerusalems. Grade eine jeder Allegorisierung abholde Auffassung muss hier stutzen: dass der Sessel mit der Liebe der Braut ausgelegt sei, hätte jeder erwartet. Hier zeigt sich deutlich, dass zwischen der Geliebten und den Töchtern Jeruscholajims eine Identität besteht. Das Volk als Ganzes ist die Geliebte, in seinen Gliedern wird es als Chor der בנות ירושלים angesprochen. Höchst beachtenswert erscheint uns auch das Folgende: Wenn Bastian (1. c. S. 288) schreibt: Die ersten 7 Tage nach der Hochzeit spielt der syrische Landmann und seine junge Frau die Rolle von melik und melika, so führt die Braut des Hohenliedes den Namen: Königin nie. Wenn andrerseits diese die ganze Stufenleiter der Empfindungen und Leiden durchläuft, allen Schmerz der Liebe durchkostet und den Sturm ihres Herzens uns malt, so gilt das alles nicht für den Freund ihres Herzens in voller Gegenseitigkeit. Von seinen Gefühlen ist nie die Rede, aus Wolkenferne tritt er als Liebender oder Gatte in des Sanges Bereich, rufend, lobend, von seinem Glücke erfüllt. Es ist die Geschichte von Sulamiths Liebe, nicht der Salomos, die uns melodramatisch vorgeführt wird. Wo aber das Lob der Braut gesungen wird, da wird Bild um Bild aus der Natur und den Stätten des heiligen Landes gewählt; wie eine wunderbare Symphonie von Land und Volk klingt dieses Lob. Nur so erklären sich die kühnen Vergleiche: