Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zwei Wege 195 tung von Einzelheiten, die für die praktische יראה von Bedeutung sind. Die Probleme, die uns das materielle Leben aufgibt, die Fragen, grob sinnlicher Natur sollen zu einer lichten Höhe erhoben werden durch ihre religiös sittliche Behandlung, und die grossen Ideen sollen wiederum recht eigentlich in der Erde verwurzelt werden, damit hier unten Raum und Weite geschaffen wird für Treue und Gottergebenheit, für Recht und Gerechtigkeit. In diesem Sinne ist es zu verstehen, wenn der Jehudi mit flammender Begeisterung, in völliger Loslösung von der Welt des Leiblichen eine unserer erhabensten Lobpreisungen, die ברכת התורה spricht und daran sofort ohne jedwede Unterbrechung als תורה knüpft: die Beschäftigung mit der Rechtsfrage: ור שנגח את הפרה&>. Der Chassidismus, besonders in seiner chabadiscben Prägung, hat eine grosse Zahl von Geistern in עולם האצילות versetzt, in eine Welt der Erhebung und der Verklärung, des Sanges und der Ekstase. Des Wilnaer Gaons Thora hat auf lichten Wegen eine andre Zahl von Geistern geführt, langsam, sicher und in Gesundheit. In einen vornehmen Saal, an dessen heiligem Tisch den Gästen aufgewartet wird ein Stückchen Gemore oder Sifre, Jeruschalmi oder Rambam, tief durchdacht und immer und immer wieder geprüft, zubereitet wie ein erlesenes Gericht, in seiner Einfachheit, weil ohne fremde Würze, von seltenem Geschmack. Die Gäste der עולם האצילות und die jenes vornehmen Palastes sind zweifellos verschiedene Wege gegangen. Ein Verhängnisvoller Irrtum aber wäre es, wollte man annehmen, dass die beiden Wege völlig voneinander abführen. Richtig ist nur, dass ein jeder für sich für die volle jüdische Lebensbetätigung zu schmal ist. In R. Isroels Salanter Mussaridee ist die Aufgabe gestellt, die beiden Wege einander nahe zu bringen, damit sie beide zusammen einen neuen breiten Weg bilden. Diese Breite und Weite wird dem jüdisch-religiösen Empfinden und Handeln den Raum geben, dass sie sich zu dem Reichtum entwickeln, der, jetzt verborgen schlummernd, im Judentum seiner Entfaltung noch immer harrt.