Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Zwei Wege ein Wegweiser. Nichts anderes war ja auch die Aufgabe unseres grössten Rebbe: tue ihnen kund den Weg, den sie gehen sollen (Ex. 19, 20). Das war auch die ursprüngliche Auffassung Tom Rebbe im Chassidismus, so einen Rebbe hat auch der Mussarjünger, nur mit dem Unterschiede, dass die Beziehungen zu seinem Meister nicht so auffallen. Das in die Augen Springen dieser Beziehungen, das für den Chassidismus so charakteristisch, gehört auch in das Kapitel der Kritik, die der Mussar an dem Chassidismus übt. Auch hier zur Illustrierung eine niedliche Geschichte, die in Deutschland spielt. R. Jisroel und R. Schmuei waren eines Sommers gemeinsam in einem Kurorte. Zu der täglichen Brunnenkur fuhr R. Schmuei mit seinem Begleiter in einer Droschke. R. Jisroel ging natürlich zu Fuss. Chassidim im Kurort war zu Ohren gekommen dass die Umgebung R. Jisroels R. Schmueis Droschke mit ihrer Kritik nicht verschonte «. . . Was kann der Grund sein?! Man steckt die Köpfe zusammen und schliesslich kommt man zu dem Resultat: wohl wegen des חשש שעטנז in den Polstern der Droschke. Ein wagehalsiger Chossid geht zum Rebbe und erzählt ihm von dieser Vermutung. Der Rebbe darauf: ״und 1wenn schon! Der שבות יעקב ist doch 44מתיר. Am folgenden Tag trifft es sich gerade, dass R. Schmuei auf seiner Fahrt R. Jisroel sieht. Er lässt den Kutscher halten und bittet R. Jisroel in den Wagen: ״Besser als zu Fuss ist immer noch auf dem שבות יעקב zu fahren!“ Ob R. Jisroel eingestiegen, darüber schweigt die Geschichte. Dafür berichtet sie etwas anderes. Am Brunnen musste man, wie Chassidim erzählen, unbedeckten Hauptes das Wasser trinken. R. Schmuei fragt R. Jisroel: ״Was machen sie mit נלד ראש“. Darauf R. Jisroel: ״Ist wirklich schwer!“ ״Was heisst schwer“, sagt R. Schmuei: ״man schafft schon Rat: Bevor ich zum Brünnen fahre, ziehe ich mir eine Perücke an.“10) Wenn die erste Hälfte der Geschichte beweisen soll, dass es in Lubawitsch nicht am Lamdonus gefehlt — man hat offenbar die Schaatnes-Frage schon lange vorher nach allen 10) Diese Erzählung habe ich von alten Lubawitscher Chas3idim gehört.