Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zwei Wege 183 über die Schwelle des Bewusstseins hebt und dem Reich der Willensakte sich nähert. Nur so, lehrt R. Jisroel, kannst du die angelernte Frömmigkeit 3מצות אנשים מלמדה) zu der recht eigentlich triebhaften Liebe und Ehrfurcht verinnerlichen, wie es das wahre Verhältnis zu Gott und Menschen fordert. Die Verkündung dieser und ähnlicher Gedanken an seine Zeitgenossen im Zusammenhang mit der Organisierung des Mu8sarstudiums hat R. Jisroel zum Meister, zum Wegweiser gestempelt. So hat er Schule gemacht. Jünger freilich hat er nicht viele gefunden. Aber sein Ruf als Pfandfinder, als Führer auf eigenartigen Wegen jüdischer Betätigung stand für alle schon im Beginn seiner Wirksamkeit fest. Der Form nach hat er kein Erbe angetreten. R. Sundei, sein Lehrer in צדקות wollte für seine Umgebung nur in die Erscheinung treten als ״einfacher Jida, ein kleinstädtischer Händler, der auf die Jahrmärkte fährt und von dem kein Mensch ausserhalb seiner Heimat etwas weiss. Und er war doch ein Schüler von R. Chajim Wolosin, des Schülers vom Wilnar Gaon. Zu gleicher Zeit lebte in Lubawitsch (Weissrussland) der grosse Rebbe der Chabad-Chassidim, Reb Schemuel, der 80genannte ר״ש, ein Urenkel des Tanjo4), der Schüler des grossen Maggid, des Erben des Beseht. Hier hatte die chassidische Idee ihre rechte Verkörperung gefunden, hier war der Mittelpunkt gegeben für eine ganze Welt begeisterter Chassidim. Der Ruf R. Jisroels Salanter war bis dahin gedrungen. Man wusste auch in Lubawitsch, dass R. Jisroel kein Gaon schlechthin, wie andere Grosse Litauens, sondern recht eigentlich auch ein ״Rebbe“ sei, von Einfluss auf seine Jünger in seinen Ideen und Zielen. Die Männer aus der Szamot und Litauen, die in den Wirkungsbereich R. Jisroels geraten waren, galten den Lubawitschern nicht mehr als gewöhnliche Misnagdim, ״aulom’sche 4) תניא ein berühmtes ethisches Werk des R. Sneür Salman aus Ladi; im allgemeinen רב genannt, wonach auch sein bedeutendes halachisches Werk des Raws Schulchan Aruch genannt wird.