Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1923-03-01 · Heft 3-4 (März 1923) · page 81

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 3-4 (März 1923)
Date
1923-03-01
Page
– (sequence 81)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2292929-2293019-2293022--06144-2299428
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Weib des Akiba 177 selbst. Demi die Kunstform gerade dieses Werks fordert weitere Symboldeutung, und Alles ist gleichnishaft und überzeitlich. Vielleicht macht dies gerade die dramatische Zwitterhaftigkeit aus. Gewiss: man wird dies Drama auf jeder Bühne in grösster Wirksamkeit darbieten können. Aber die Kunstform ist im letzten Sinn nicht rein dramatisch, und ein lyrisch-epischer fast undramatischer Zug entrückt alles in höhere mehr gleichnishafte Ebene. — (Will man nicht einfach den Inhalt einer Dichtung nacherzählen und sich doch über sie verständigen, setzt man billigerweise deren Kenntnis voraus.) Bildhaft gleiten die Scenen vorbei, nicht in dämonischer Aktivität. Aber es ist die sinnende Traumhaftigkeit in einem grossen Begreifen. Unwillkürlich denkt man an die Nazarener, die auf bildkünstlerischen Gebiet wohl etwas Aehnliches bieten und gemeint haben, im Gegensatz z. B. zu Rembrandt, den man mit Shakespeare vergleichen dürfte. Akiba: wohl dieser einzigartige Mensch, erst Sklave, dann vertrieben, Meister, Märtyrer und Allverehrter. Und doch — fast bewusst — jenseits der Einzelexistenz der Ringende überhaupt, der im Segen der Liebe reift und sich sterbend vollendet. Jaltha, sein Weib, — und doch jenseits dieser Einzelexistenz des Mannes Gefährtin, ihm neue Ziele weisend und ihn führend zu seiner Grösse. Diese — wie mir scheint — bewusste Symbolik, ursprünglich vielleicht aus einer nicht ganz dramatischen Intention geboren, wird in den verschiedenen Volksszenen usw. ergänzt, und nur die eine Szene elf zwischen den Gefängnis- Wärtern ist objektiv dramatischer, denn selbst der allesbegreifende Dichter muss hier mehr aus dem Objekt schaffen, ohne letzte einfühlbare Gleichsetzung mit der rohesten Menschenkreatur. Man übersetze dieses Werk in ein congeniales Hebräisch und führe es auf im heiligen Land. Das Wunder wird sich begeben: Zauber der Vorzeit wiedererstanden, Sich-Wiedererkennen als Kinder der Ahnen. Denn aus urjüdischer Lebensstimmung durfte der Dichter schöpfen, erhorchte den Gang jüdischen Lebenssiuns und wurde verehrungswürdig sein bedeutender Gestalter. 6

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.