Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- – (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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176 Ein jüdisches Lesebuch usw. Weise die beschämende Unwissenheit vieler Schüler in jüdischer Sitte und Gewohnheit des täglichen Kulturlebens unserer Väter im Ghetto, unserer Brüder im 0 sten; unserer Geistesgrössen in Mittelalter und Neuzeit sich etwas mindern liesse. Wenn man bedenkt, dass das deutsche Lesebuch für viele denkende Kinder eine Grundlage fürs ganze Leben werden soll und wird, dass manche Lesestücke Erinnerungen für das ganze Leben hinterlassen, wenn man bedenkt, dass der deutsche Unterricht Erlebnisunterricht sein soll, von dem die tiefsten seelischen Erhebungen ausgehen, so müssen auch wir Juden dafür Sorge tragen, dass durch die Beigabe eines nach Anlage und Auslese ausgezeichneten jüdischen Lesestoffes der deutsche Unterricht in eine jüdische Atmosphäre gehoben werde, damit auch die Geister, die in den Gedichten und Schriften der Besten unsrer Dichter schlummern, zum Leben beschworen werden, damit unsere Jugend erkennen lerne, dass Gottes und seiner Propheten Donnerworte keinen Vergleich mit den höchsten Mustern weltlicher Poesie und Schönheit zn scheuen brauchen und das unsere spätem Dichter keine synagogale Zweckpoesie ge״ schrieben, sondern vor den höchsten Richtern der Aesthetik wohl ihren Platz behaupten. Daher unsere Fordernng: Dasjüdische Lesebuch — ein jüdisches Lebensbuch! Moritz Heimann: ״Das Weib des Akiba“1). Von Dr. Hermann Weyl (Frankfurt a. Main). Jenseits dem Schrei des Tags, in sphärenhaften Höhen vollzieht sich dieses Drama. Ewigkeitlich ersteht die Menschennot, edler Wein in edelstem Gefäss: Akiba’s Schicksal und seines Weibs. Als Folie die Zeit der römischen Bedrückung und der Aufstand Bar-Kochba’s. Was aber hier gestaltet wurde, ist jüdisches Schicksal!) Drama in 5 Akten (12 Szenen) S. Fischer Verlag, Berlin 1922.