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Jeschurun · 1923-03-01 · Heft 3-4 (März 1923) · page 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 3-4 (März 1923)
Date
1923-03-01
Page
– (sequence 77)
Language
German
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Ein jüdisches Lesebuch usw. 173 plan behalten müssen. Jedoch wohl zu entbehren und durch Besseres und für uns Tauglicheres zu ersetzen werden sein jene unzähligen gehaltlosen Prosastücke und poesiearmen Gediente von Prosaschriftstellern und Dichtern dritten und vorletzten Grades, die unsre Lesebücher bisher von der untersten Stufe bis zur obersten in beängstigender Fülle mitschleppten. (Vor allem müsste scharfe Musterung gehalten werden unter jenen zahllosen nichtssagenden Frühlingsgedichtchen, die, schlimmer als Geburstagspoesie, wie Grüngras in den Vorschul-Lesebüchern üppig emporwuchern.) Ein zweites Bedenken, das unserm Plane entgegensteht, ist die Frage nach der künstlerischen Auslese, der Zweifel, ob wir soviel künstlerisch und dichterisch Hochklassiges in unsrer jüdischen Literatur (die wesentlich Uebersetzung81iteratur doch ist) besitzen, um es den Schülern als nachahmenswerte Muster des Stils und der Kunstvollendung vorführen zu können. Tatsächlich ein schweres Bedenken! Denn unmöglich sollen unsern Kindern Nachahmungen, Surrogate, zweitklassige Dichtungen als Vorbilder vorgeführt werden. Und dennoch! Der Weg muss beschritten werden, und hoffnungsvolle Anfangs sind schon gemacht: Es liegen uns bereits mehrere Versuche eines solchen jüdischen Lesebuches gedruckt vor, von denen zwei hier näher besprochen werden sollen damit hier auch ein praktischer Versuch gezeigt werde. Der eine Versuch ist das früher viel verbereitete deutsche Lesebuch von Albert Haesters, für isralitische Schulen bearbeitet von Dr. Em. Hecht (2. Aufl., Essen, Badeker 1867), ein Buch, dessen Anlage und sprachliches Gewand natürlich vielfach veraltet und überholt ist, dessen Inhalt aber (hier beschäftigt uns nur der jüdische Teil des Buches) zum grossen Teil noch heute als vorzüglich bezeichnet werden kann und wohl eine Neubearbeitung verdiente. Namentlieh sind die wissenschaftlichen, geschichtlichen und geographischorientierenden Prosastücke, die überall untermischt sind mit spezifisch-jüdischen Partien, recht geschickt gewählt und gestaltet. (So

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